Alte Meister der Reitkunst

Xenophon (430 v. Chr. Bis 354 v. Chr.)

Der griechische Reiterführer Xenophon, ist der erste bekannte Autor, der die Lehre vom Pferd und vom Reiter verfasste und dessen Werke uns heute noch zugänglich sind.

Der griechische Befehlshaber, Schriftsteller und Philosoph Xenophon, wurde um 430 v. Chr. geboren und wuchs in einer wohlhabenden und konservativen Familie heran. Er liefert uns eines der ältesten und vollständig erhaltenden literarischen Werke zur Reitkunst, Hipparchikos(der Reiterführer) und Peri Hippikes (Über die Reitkunst). Xenophon war mit seinen Werken der Erste, der den gewaltfreien Umgang mit Pferden schriftlich festhielt. Seine Werke werden heute vielfach als Grundlage der Hippologie gesehen.

Pilarenarbeit

Pilararbeit, Pilare

Alte Meister | Steffen Mütterlein

Das erste Werk, welches die Pilarenarbeit beschreibt, ist das Werk von Pierre de La Noue aus dem Jahre 1620 mit dem Titel „La cavalerie francaise et italienne“. Dort wird die Pilarenarbeit als eine französische Technik beschrieben, im Gegensatz zur italienischen Methode, die darin bestand, das Pferd an der Wand zu arbeiten. Der große französische Reitmeister Francois Robichon de la Guérinère schreibt die Pilarenarbeit Antoine de Pluvinel, Reitmeister des französischen Königs Ludwig XIII zu.

Die Vorderlastigkeit des Pferdes 

Vorhand der Pferde, Galopp, Alte Meister, , Antoine de la Baume Pluvinel, François Robichon de La Guérinière, François Baucher, Nuno Oliveira

Alte Meister | Nicole Weinauge

Das Pferd bewegt sich über die Schubkraft der Hinterhand und die Zugkraft der Vorhand vorwärts, damit es jederzeit beschleunigen kann, wenn eine Flucht notwendig erscheint. Mit dem Reitergewicht auf dem Pferderücken verändert sich der natürliche Bewegungsablauf. Was das für Training, Gymnastizierung und Bewegungsabläufe bedeutet, dazu haben sich schon die Alten Meister Gedanken gemacht.

Waldemar Seunig

Alte Meister | Kristina Conrädel

International anerkannter Ausbilder, gefragter Turnierrichter oder auch Journalist – zur Beschreibung dieses alten Meisters kann man jede dieser Bezeichnungen für ihn auswählen, denn alle treffen zu. Sogar als wandelndes Pferdelexikon mochte ihn so mancher bezeichnen. Ein Oberst, der sich während des 1. Weltkrieges des Reitens annahm und nie wieder davon loskam, ein wahrer Pferdemensch vom Scheitel bis zur Sohle: Waldemar Seunig

Ein Künstler durch und durch

Oberst Waldemar Seunig bildete seine reiterlichen Fähigkeiten, wie so viele Männer seiner Zeit, während seiner Militärlaufbahn aus. Als Hofstallmeister einer Kavallerieschule in Slowenien nahm er bis etwa 1932 regelmäßig und erfolgreich an internationalen Turnieren teil. Der Schwerpunkt seiner Arbeit war jedoch, über sein gesamtes Leben gesehen, vor allem das Unterrichten und verständliche Vermitteln von reiterlichem Wissen. Ein erfolgreicher Reitlehrer, der auch als internationaler Richter auf Turnieren arbeitete. Eine sehr wertvolle Kombination, denn so kannte er alle Seiten und konnte sich in seinen Schüler genauso einfühlen wie in den Richter oder als Richter in den Ausbilder am Rande des Vierecks. Nebenbei verfolgte er vielfältige journalistische Interessen und schrieb Kurzgeschichten und Pferdebücher, die seine umfangreiche humanistische Bildung aufzeigen. In seinen Büchern finden sich zudem viele Zeichnungen, die Seunig alle selber gemalt hat. Schon deshalb lässt sich mit Fug und Recht sagen: Waldemar Seunig war ein wahres Multitalent.

Meilensteine österreichischer Reitkunst

Alte Meister | Werner Poscharnigg | 02.04.2018

Die Forderung nach dem denkenden Reiter

Die Reitkunst gehört zu den prägenden Elementen europäischer Kultur. Theorie und Praxis, Denken und Handeln sind hier untrennbar miteinander verbunden. Der Reiter, der mit dem Pferd arbeitet um es zu schulen, muss jeden seiner Schritte hinterfragen, Zusammenhänge herstellen, und praktisch erproben, was ihm als Theorie hilfreich scheint. Eine kritische Haltung sich selbst und der eigenen Ausführung gegenüber ist dafür unabdingbar. Das Reiten als Charakter-Prüfstein und Charakter-Schule findet immer wieder bei alten Meistern Erwähnung. Über die bekannten Autoren hinaus gibt es zahlreiche Werke, die heute ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Zu Unrecht. Deshalb haben wir hier einige barocke Juwelen für Sie zusammen getragen.

Alois Podhajsky

Alte Meister | Kristina Conrädel  | 06.04.2017

Anfang des 20.ten Jahrhunderts brechen bewegte Zeiten für Europa an. Auf den 1. Weltkrieg folgt die Finanzkrise, Massenarbeitslosigkeit macht dem Volk zu schaffen und schließlich entbrennt der 2. Weltkrieg. Auch an der Spanischen Hofreitschule in Wien geht diese Zeit nicht spurlos vorüber, die Pferde müssen sogar für eine lange Zeit evakuiert werden. In diesen schwierigen Zeiten, die schwerwiegende Entscheidungen fordern, leitet ein ganz besonderer Pferdemensch die Ausbildung der Wiener Lipizzaner: Alois Podhajsky.

"Vergleichende Würdigung der Reitsysteme"...

Reitsysteme

Alte Meister | Thyl Engelhardt  | 23.06.2017

...ein zufälliges Schlüsselwerk zur deutschen Reittradition?

Bei der Suche nach Informationen über mögliche Einflüsse Bauchers auf Plinzner, und damit auf das Hauptwerk der deutschen Reiterei ab dem Anfang des 20. Jahrhunderts, "Das Gymnasium des Pferdes", stieß ich zufällig auf ein kurzes Buch von Lauffer (damals Oberleutnant im 2. Württembergischen Dragonerregiment), "Vergleichende Würdigung der Reitsysteme von Baucher, Fillis, Plinzner und der Instruktion zum Reitunterricht für die Kavallerie vom 31. August 1882", erschienen 1901, das mir vom Titel her interessant erschien. Was ich nach Ausleihen in der Zweigstelle Weihenstephan der Technischen Universität München vorfand, war jedoch aus zwei anderen Gründen so interessant, dass ich den Lesern der Hofreitschule etwas davon präsentieren möchte. Der erste Grund ist, dass sich das Büchlein von kaum 50 Seiten (basierend auf einem Vortrag des Autors vor Offizierskameraden) auch als ein historischer Abriss der Geschichte der deutschen Reiterei erwies – und zwar aus einer nun 110 Jahre alten Perspektive. 

Gustav Steinbrecht

Gustav Steinbrecht

Es ist Mitte des 19. Jahrhunderts. Baucher hat die Reitkunst in Frankreich verändert und Louis Seeger, einer seiner größten Kritiker, arbeitet in Berlin an der klassischen Dressur. Die Reiter interessieren sich zu dieser Zeit vorrangig für Jagden und das Showreiten. Davon abgesehen wird die überwiegende Anzahl der Pferde vom Militär genutzt. Die klassische Reitkunst, die Reitschulen und die weit ausgebildeten Dressurpferde sind in Deutschland ein wenig aus der Mode gekommen. In dieser Zeit lebt und arbeitet ein Schüler Seegers, der ein ganz besonderes Interesse für die Anatomie des Pferdes hegt – und der einiges verändern wird.

Pferde und Fürsten

Stallhof Dresden, Bronzesäulen für Reiterspiele

Alte Meister | Magdalena Bayreuther / 04.09.2017

"Eine wohlbestellte Reitbahn hat immer etwas Imposantes [...]. Warum denn auch eine Reitbahn so wohltätig auf den Verständigen wirkt, ist, daß man hier, vielleicht einzig in der Welt, die zweckmäßige Beschränkung der Tat, die Verbannung aller Willkür, ja des Zufalls mit Augen schaut und mit dem Geiste begreift. Menschen und Tiere verschmelzen hier dergestalt in Eins, daß man nicht zu sagen wüßte, wer denn eigentlich den anderen erzieht."

Mit diesen Worten beschreibt Johann Wolfgang von Goethe die Eindrücke, die er bei einem Besuch der Göttinger Reitbahn im Jahr 1801 aufnahm und die treffend das hohe Erziehungspotenzial und den ästhetischen Anspruch der zeitgenössischen Reitkunst charakterisieren.

Reitausbildung auf der Bildungsreise

Nachdem die jungen Fürstensöhne am Hof unter Anleitung des hofeigenen Bereiters die Grundzüge des Reitens verinnerlicht hatten, erfolgte die weitere Ausbildung, die anspruchsvollere Lektionen beinhaltete, auf der Bildungsreise – vorausgesetzt, sie hatten das entsprechende Alter und die Reife dafür. Die Reise gliederte sich zumeist in einen längeren Aufenthalt an einem namhaften Ort mit Ritterakademie oder Universität im Ausland, an dem die Prinzen nach einem geregelten Stundenplan Unterricht in verschiedenen Fächern und in den ritterlichen Übungen erhielten, und in eine daran anschließende Kavalierstour, die durch den Besuch fremder Höfe die jeweiligen Umgangsformen und das Zeremoniell näherbringen sowie die Prinzen bei ausländischen Herrschern bekannt machen sollte, was angesichts des autonomen Status der zahlreichen Territorialstaaten des Reiches, die außenpolitisch relativ unabhängig waren, Sinn ergab.