Pilarenarbeit

Pilararbeit, PilareFoto aus "Die Reitkunst im Bilde" von Ludwig Koch

Alte Meister | Steffen Mütterlein

Das erste Werk, welches die Pilarenarbeit beschreibt, ist das Werk von Pierre de La Noue aus dem Jahre 1620 mit dem Titel „La cavalerie francaise et italienne“. Dort wird die Pilarenarbeit als eine französische Technik beschrieben, im Gegensatz zur italienischen Methode, die darin bestand, das Pferd an der Wand zu arbeiten. Der große französische Reitmeister Francois Robichon de la Guérinère schreibt die Pilarenarbeit Antoine de Pluvinel, Reitmeister des französischen Königs Ludwig XIII zu.

Pluvinel arbeitete die Pferde um einen einzelnen Pilar herum, sowie in den doppelten Pilaren, wobei er die doppelten Pilaren in erster Linie für die Schulsprünge nutzte. Dort setzt dann auch die Kritik von de la Guérinère an Pluvinel an, der sagte, dass zuerst die Piaffe entwickelt werden muss und erst danach die Schulsprünge. Francois Robichon de la Guérinière schreibt dazu in seinen Werk L’Ecole de la Cavalerie:

Das erste, was man im Anfang, wenn man ein Pferd in die Pilaren spannt, zu beobachten hat, ist: dass man die Seile der Pilarenhalfter gleich lang und kurz anbindet, sodass die Schultern des Pferdes mit den Pilaren in gleicher Linie, und das nur der Kopf und der Hals aus denselben herausstehen. Hierdurch verhütet man, dass es mit der Crupe nicht unter die Seile der Halfter komme, welches sich zuweilen ereignet. Darauf stellt man sich mit der Peitsche hinter die Crupe, in einer

Entfernung, dass man nicht geschlagen werden kann. Man lässt es zur Rechten und Linken treten, in dem man mit der Peitsche auf die Erde schlägt, oder zuweilen leicht trifft. Diese Art, das Pferd von der einen auf die andere Seite treten zu lassen, lehrt es die Schenkel übereinander zu setzten, sie bringt es in Ordnung und macht im Furcht vor der Peitsche.“

Weiter schreibt er:“ Sobald sich das Pferd in den Pilaren mit der Crupe nicht mehr schief stellt, wenn es vorwärts und gerade in die Seile tritt; so muss man es alsdann mit der Zunge und Peitsche anfeuern, um ihm einige Trabtritte auf einer Stelle, gerade und mitten in den Seilen abzugewinnen, welches man den stolzen Tritt(piaffieren) nennt; alsbald aber schmeichelt man ihm und bindete es los um ihm den Mut nicht zu nehmen.“

Einen Nachteil, welche die Pilarenarbeit hat, nämlich die Vorwärtsbewegung einzuschränken, versuchte der italienische Reitmeister Frederigo Mazzuchelli (1747-1830), der in Mailand eine Reitakademie unterhielt, entgegenzuwirken. In seinem im Jahre 1805 erschienen Werk „ Elementi di Cavalerizza“ beschreibt er erstmals die Verwendung des Langen Zügels in der Ausbildung des Pferdes zur Ergänzung zur Pilarenarbeit.

Steffen Mütterlein

Hippologe, Dressurausbilder(FN)

www.Klassische-reitkunst.org

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