Xenophon (430 v. Chr. Bis 354 v. Chr.)

Der griechische Reiterführer Xenophon, ist der erste bekannte Autor, der die Lehre vom Pferd und vom Reiter verfasste und dessen Werke uns heute noch zugänglich sind.

Der griechische Befehlshaber, Schriftsteller und Philosoph Xenophon, wurde um 430 v. Chr. geboren und wuchs in einer wohlhabenden und konservativen Familie heran. Er liefert uns eines der ältesten und vollständig erhaltenden literarischen Werke zur Reitkunst, Hipparchikos(der Reiterführer) und Peri Hippikes (Über die Reitkunst). Xenophon war mit seinen Werken der Erste, der den gewaltfreien Umgang mit Pferden schriftlich festhielt. Seine Werke werden heute vielfach als Grundlage der Hippologie gesehen.

Xenophon war allerdings nicht in erster Linie bekannt für seine Abhandlung über das Reiten und die Pferde, sondern er gehörte zu den Schülern des Philosophen Sokrates und wurde vor allem für seine philosophischen Hinterlassenschaften berühmt.

Er diente in seiner Jugend bei der athenischen Kavallerie, machte später intensive Bekanntschaft mit der Reiterei der persischen Weltmacht, stellte eigene griechische Reitertruppen auf und bildete sie aus. Die Reiterei der Griechen war von Zwang und Gewalt geprägt, die Xenophon missfiel. Er wusste nur zu genau, wie wichtig ein gehorsames und gut gerittenes Pferd war.

→ "Unfolgsame nützen im Kampf mehr dem Feinde als dem Freunde" (Zitat Xenophon „Der Reitoberst", Paul Parey 1984 / S.88)

Xenophons Ausbildungsgrundsätze sind von hoher Verantwortung gegenüber dem Partner Pferde geprägt. Xenophon verlangt nur solche Leistungen, die den natürlichen Fähigkeiten des Pferdes entsprechen. Schon damals erkennt er, dass Gymnastizierung und dressurmäßige Versammlung den Tragapparat vor Belastungsschäden unter dem Reiter bewahren und die Beherrschung des Pferdes erleichtern. Wichtig ist ihm auch die psychische Unversehrtheit und körperliche Gesunderhaltung des Pferdes.

→ „Ich billige keinen Sitz, der dem eines Mannes auf einem Stuhl gleichkommt." (Zitat Xenophon)

Er beruft sich in seinen Schriften auf Simon von Athen, von dem das Fragment einer Pferdebeurteilungslehre erhalten ist, welches auch Xenophon in seine Schriften einbezieht. Simon von Athen lebte zur Zeit der Gründung Roms (um 600 vor Christus). Er berücksichtigt Verhalten und Psyche des Pferdes, plädiert er für gewaltfreie Erziehung, gibt Anweisungen zur Haltung, Fütterung und Pflege, empfiehlt eine reiterliche Ausbildung nach dem Belohnungsprinzip mit Mindeststrafen und kritisiert Missstände der griechischen Reiterei.

 



Xenophons Ausbildungsgrundsätze

  1. Dein Pferd sei zuverlässiger Freund, nicht Sklave!
     
  2. Widme seiner Ausbildung so viel Aufmerksamkeit, als ginge es um deinen eigenen Sohn. Achte darauf, dass Körper und Seele deines Pferdes sorgfältig geschult werden. Es soll sich durch Leistungsvermögen und Zuverlässigkeit auszeichnen. Seine charakterliche Prägung und Formung sei dir besonders wichtig! Präge es von seinen ersten Lebenstagen an so, dass es zu dir tiefes Vertrauen fasst, dich respektiert und dir gehorcht. Mache dein Pferd menschenfreundlich! Es soll dich geradezu lieben.
     
  3. Bringe es zu Arbeitsfreude und freiwilligem Gehorsam!
     
  4. Sei achtsam und nimm auf seine Bedürfnisse Rücksicht!
     
  5. Setze alles daran, dich deinem Pferd verständlich mitzuteilen. Es soll deine „Sprache“ verstehen! Belohnung und Strafe sind die einzigen Erziehungsmittel. Aber Belohnung hat unbedingt Vorrang. Belohne jede besondere Leistung und jeden Lernfortschritt – am besten, indem du ihm eine Pause gönnst oder die Arbeit beendest.
     
  6. Langweile dein Pferd nicht! Variiere die Arbeit, biete ihm unterschiedliche Anregungen. Reite es nicht nur in der Bahn, trainiere es im Gelände, beim Springen und auf der Jagd.
     
  7. Arbeite an deiner eigenen körperlichen und charakterlichen Schulung! Bemühe dich um einen korrekten, von der Bewegung des Pferdes unabhängigen Sitz, der dir bei jeder Übung, jedem Tempo und in jedem Gelände ein kontrolliertes Einwirken auf das Pferd ermöglicht. Deine Hand darf unter keinen Umständen das Pferd im Maul stören. Erziehe dich dazu, in jedem Fall Ruhe zu bewahren und deine Emotionen zu kontrollieren. Gib Zornausbrüchen keinen Raum.
     
  8. Mach dir klar, dass die Lektionen der höheren Dressur keine Kunststücke sind, die du deinem Pferd mit Hilfe unnatürlicher Zwangsmittel beibringen kannst. Sie sind Formen der imponierenden Selbstdarstellung des Pferdes, die es in besonderen Erregungszuständen vor seinen Artgenossen von sich aus zeigt.
     
  9. Dein Pferd soll Freude bei seiner Arbeit empfinden und in seinen Bewegungen und seiner Haltung Begeisterung zum Ausdruck bringen.
     
  10. Versuche nicht, dein Pferd durch stark rückwärts wirkende Zügeltätigkeit oder andere Zwangsmittel zu versammeln und aufzurichten. Reite bestimmt vorwärts bei leicht anstehendem, im entscheidenden Moment nachgebendem oder hingegebenem Zügel.

(Die Grundsätze entstammen dem im WuWei Verlag erschienen Buch “Xenophons Reitkunst” von Dr. Klaus Widdra)