Ausbildung der Remonte - Anja Beran: Das Rückwärtsrichten

Eine weitere grundlegende Übung ist das Rückwärtsrichten. Dazu hält der Reiter das Pferd an der Bande an und bittet einen Assistenten in die Bahn. Der Reiter versucht nun durch Annehmen beider Zügel das Pferd zum Zurücktreten zu veranlassen. Außerdem sollte er sich tief in den Sattel setzen und seine Schultern gut zurücknehmen. Die Schenkel lässt er vorne am Sattelgurt. Im Laufe der Zeit können wir unser Pferd dazu erziehen, auf ein Zurücknehmen des Oberkörpers und eine leichte Schenkeleinwirkung am Gurt zurückzutreten. Die Einwirkung der Hand wird so  entsprechend untergeordneter.

Warum geben wir diese Hilfen? Wir möchten doch später unser Pferd durch tiefes Einsitzen aufnehmen  und im Weiteren, beispielsweise in der Piaffe, mit unserem Sitz am Platz halten können, während wir die Hand sinken lassen. Daraus ergibt sich, dass wir das Pferd bereits am Anfang durch tiefes Einsitzen und eine nach hinten gerichtete Schulterpositur an das Zurücktreten gewöhnen, wobei wir nach und nach die Handeinwirkung minimieren. Erfolgreiches und gutes Reiten ist immer das Resultat hervorragender Vorbereitung!

Beim Rückwärtsrichten soll unser Pferd vorne groß werden und hinten unter dem Schwerpunkt bleiben. Verkehrt ist es, wenn das Pferd vorne eng und tief wird und der Reiter es zurückzieht, wobei es die Hinterhand nach hinten herausstellt und die Kruppe nach oben kommt. So ausgeführt dient diese Übung nur dem stupiden Gehorsam und hat keinen gymnastischen Wert. Schlechtes Rückwärtsrichten erkennen Sie auch daran, dass es meist eine Schleifspur im Reithallensand hinterlässt.

Möchten wir, dass unser Pferd sich setzt, dann müssen wir uns zunächst selbst setzen! Wir geben also unsere Hilfen zum Rückwärtsrichten und warten auf die Reaktion der Remonte. Reagiert das Pferd nicht, tippt der Helfer es mit einer Gerte an der vorderen Fessel an. Der Helfer sollte dabei immer neben dem Pferd stehen, denn gerade Hengste neigen dazu, nach vorne auszuschlagen, wenn sie am Vorderbein berührt werden. Kalkulieren Sie immer bei jungen Pferden ungestüme Reaktionen mit ein.

Reagiert unser Pferd wie gewollt, so wird es beim kleinsten Tritt zurück gelobt. Anschließend reitet man nach vorne, hält erneut an und wiederholt das Rückwärtsrichten, bis man zwei bis drei willige Tritte erzielt. Sie können Ihr Pferd auch immer wieder zwischen den Rückwärtsreprisen im Stehen strecken lassen. Dann nehmen Sie die Zügel wieder auf und versuchen die Übung noch einmal. Dieses Stehenlassen am langen Zügel belohnt und diszipliniert Ihr Pferd in gleichem Maße, verlangt von Ihnen aber ein wenig Geduld und Muße. Den Helfer zieht man so lange hinzu, bis man die Übung sicher vom Sattel aus verlangen kann. Bestehen Sie bei dieser Übung immer darauf, dass Ihr Pferd keinen Schritt mehr zurückgeht, als Sie ihm erlauben. Vermeiden Sie zudem, dass es schneller rückwärts geht, als Sie möchten. Beides würde bedeuten, dass Ihr Pferd hinter die Hilfen kommt. Sollten Sie eines dieser Probleme bemerken, dann geben Sie sofort mit der Hand nach und reiten Ihr Pferd unbedingt energisch mit beiden Schenkeln nach vorne.

Durch häufiges Arbeiten mit einem Ausbilder vom Boden kann man Widerstände oftmalsim Keim ersticken und zudem sehr schnell die Reiterhilfen verfeinern, weil das Pferd leichter versteht, was es tun soll.


 

Auszug aus dem Buch "Aus Respekt"

Anja Beran

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Kosmos Verlag

 

ISBN-10: 3440152529
ISBN-13: 978-3440152522

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