Das Traumpferd

Das TraumpferdFotograf Mario Brenzel, StudioLaMagica, Wuppertal

Reiter und Pferd | Andrea Lipp | 04.07.2017

Vor kurzem ist mein 5-jähriges Nachwuchspferd Pluto Troja bei mir eingezogen. Ausrufe wie „Ist der schön!“, „Der bewegt sich ja toll!“, usw. gehören bei ihm zum Alltag. Er ist erst seit sechs Wochen bei mir.

Dann gibt es noch meinen 19 Jahre alten Andalusier Pardo. Sätze die sich auf die Schönheit seiner Bewegungen oder seines Aussehens beziehen, habe ich in den vielen Jahren, die er bei mir ist, höchst selten zu hören bekommen. Pardo bewegt sich im herkömmlichen Verständnis nicht schön, hat einen sehr starken Stellungsfehler in der Vorhand, einen wirklich schlimmen Rücken und immer wieder tageweise einen furchtbaren Blähbauch, weil auch die Verdauung manchmal nicht stimmt. Häufig ist er eher Ziel abfälliger Kommentare über seinen Rücken, seinen Blähbauch, seinen weißen Flecken im Fell, die er zu Zeiten des Fellwechsels bekommt, und, und…..

Dieses Pferd auszubilden war für mich eine der größten reiterlichen Herausforderungen und ich möchte sie nicht missen. Für mich bewegt sich dieses Pferd durch die Dressurausbildung schön. Er hat im Rahmen seiner körperlichen Fähigkeiten einen raumgreifenden Schritt, einen schwingenden Trab und auch einen durchgesprungenen Galopp. Alle seine Gänge waren vor Jahren festgehalten im Rücken, kurz und gebunden. Nun kann er in allen Gangarten schwingen. Er sieht natürlich nie spektakulär aus, aber er läuft schön, denn sein Rücken schwingt, sein Hals ist lang und nicht komprimiert.  Sein Maul ist weich und kauend. Jeder der Pardo schon einmal ohne Sattel gesehen hat weiß, wie weich und hängend sein Rücken ist. Pardo hat gelernt, diesen weichen Rücken in der Piaffe hoch zubringen und im Rahmen seiner Möglichkeiten zu piaffieren. Ihm die Piaffe beizubringen, war wirklich schwer. Vom Wesen ist Pardo ein Pferd, der bei allem Neuen so schnell nervös, ängstlich und hysterisch wird. Wir haben Jahre an der Hand die Tritte diagonalisiert, dann unter dem Sattel mit Touchierhilfe von unten und nun klappt es auch schon ganz gut allein. Diesen schwachen Rücken so aufzuwölben, ist für dieses Pferd eine enorme Leistung und er hat es geschafft.

Besonders dankbar bin ich hier auch Oberbereiter Andreas Hausberger, der mit unendlicher Geduld im Unterricht mit uns gearbeitet hat und mir den richtigen, klassischen Weg vermittelt hat. Vor kurzem habe ich auf Facebook gelesen, dass die Lipizzaner als Rasse eine gewissen Härte mitbringen und daher für das Ausbildungssystem der Spanischen Hofreitschule besser geeignet sind. Besagte Kommentatorin wies noch darauf hin, dass die iberischen Rassen für dieses Ausbildungssystem nicht geeignet sind. Darüber musste ich dann wirklich schmunzeln. In den letzten Jahren habe ich neben meinem kontinuierlichen Unterricht bei Andreas Hausberger auch immer über den Tellerrand geschaut. Mit meinem spanischen Wallach habe ich Unterricht nach der Légèreté genommen  und auch mehrere Kurse mit Manuel Jorge de Oliveira organisiert. Das waren alles interessante Impulse, aber ich habe immer wieder festgestellt, dass der von den Wienern vermittelte Weg meinem wuseligen spanischen Pferd besser bekam. Auffällig war für mich, dass das Pferd nie hektisch wurde und es sich alles immer ruhig, harmonisch und fließend anfühlte. Zuallererst wurde das Pferd in allen drei Gangarten eingetaktet und der Zug nach vorne wurde installiert. Mit dieser Arbeit haben wir uns sehr lange beschäftigt bis sie bei Pardo saß. All dies geschah mit unendlicher Ruhe und mein Pferd wurde niemals nervös oder überfordert.

Es gibt so ein schönes Zitat von Bent Branderup „Es ist keine Kunst, ein prächtiges Pferd mittelprächtig zu reiten, aber es bedeutet Kunst, ein mittelprächtiges Pferd prächtig zu reiten.“ Egal welches Pferd Sie da zu Hause bei sich stehen haben, machen Sie sich auf den klassischen Weg und Ihr Pferd wird schön und stolz durch Ihre Arbeit..

Andrea Lipp

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