Clippen - ein Sinnesorgan der Pferde wird "ausrasiert"

Gesundheit | Rebecca

Wer schön sein will muss leiden. Diesen Spruch übertragen wohl viele Reiter und Züchter auf ihre Pferde. Damit die Tiere vermeintlich bestmöglich auf Schauen und Turnieren präsentiert werden, schreckt man nicht einmal davor zurück, die empfindlichen Tasthaare an Maul, Augen und Ohren zu entfernen.

Das so genannte "Clippen" beschreibt das Abschneiden oder Rasieren der Tasthaare (Fibrissen). Es ist gemäß Paragraph 6 des deutschen Tierschutzgesetzes bereits seit fast 20 Jahren verboten. Auch in Österreich und in der Schweiz besteht dieses Verbot.

Für das deutsche Tierschutzgesetz wurde hierzu sogar ein spezifizierendes Merkblatt von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) verfasst. Darin werden die Fibrissen als Haare beschrieben, die in hochempfindlichen, mit einer Vielzahl verschiedener Nervenzellen ausgestatteten Follikeln enden und dem Pferd als unabdingbares Tastorgan dienen. Diese Tasthaare helfen dem Pferd vor allem für die nicht durch die Augen kontrollierbaren Bereiche seines Kopfes. Sie schützen es vor schmerzhaften oder gefährlichen Berührungen und orientieren es in der Dunkelheit und bei der Futteraufnahme. Die Beeinträchtigung dieses Tastorgans durch Haarentfernung kann eine Verhaltensänderung bei Pferden hervorrufen, die eine unnatürliche Körperhaltung zur Folge hat.

Nichts desto Trotz gibt es in Europa und Amerika noch immer viele Länder, in denen das Clippen ein fester Bestandteil der Pferdpflege ist. Kannte man diese radikale Enthaarung früher hauptsächlich bei Araber-, Western-, und Gangpferden, so findet man sie heutzutage fast überall. Leider gehört sie vielerorts auf Turnieren und Zuchtschauen zur erwarteten Präsentation der Pferde dazu.

Auch in Deutschland sieht man, trotz Verbots, "aalglatte" Pferde. Man geht davon aus, dass vielen Pferdebesitzern die Rechtslage und die Folgen des clippens fürs Pferd nicht bekannt sind oder aber, dass darüber hinweg gesehen wird. Aus diesem Grund hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) erst kürzlich wieder auf dieses Thema hingewiesen. Auf deutschen Turnieren wird die Einhaltung dieses Verbots überwacht und kann bei Missachtung bestraft werden.

Eine im Jahr 2013 durch Idonea van Bergen in Holland durchgeführte Pilot Studie konnte keine eindeutigen Aussagen über die Folgen des Clippens für das Pferd liefern. In ihrer Auswertung entwickelt die Autorin Vorschläge für mögliche fortführende Studien. Sie schlägt zum einen die Beobachtung blinder, rasierter Pferde bzw. eine Simulation in einer dunklen Umgebung vor, da dann andere Sinne eingeschränkt wären. Zum anderen empfiehlt van Bergen Verhaltensanalysen bei Fohlen, da selbige vermutlich nach der Geburt zunächst nur eingeschränkt sehen können und besonders viele Tasthaare besitzen, die ihnen bei der Suche nach der mütterlichen Zitze helfen sollen.

Zwar wäre die Durchführung weiterer Studien zu diesem Thema wünschenswert und höchst interessant. Letztendlich kann man sich jedoch auch ohne wissenschaftlich fundierten Beweis vorstellen, dass Mutter Natur den Pferden, und auch vielen anderen Tieren, ihre Tasthaare nicht umsonst mitgegeben hat.

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