Mondblindheit

Mondblindheit bei einem Isländer. / Foto: Wikimedia Commons/Christian Muellner

Gesundheit | SK | 20.11.2016

Oculus lunaticus- Schon in der Antike war die Krankheit der Mondblindheit bekannt. Plinius der Ältere soll als einer der ersten die periodischen Augenentzündung beim Pferd beschrieben haben. Damals schob man die wiederkehrende Symptomatik noch der Kraft des Vollmonds zu, heute herrscht hingegen Einigkeit, dass es sich um eine Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion mit Leptospiren handelt. Doch noch immer leiden acht bis zwölf Prozent des weltweiten Pferdebestandes an dieser Form der Augenkrankheit.

Die Mondblindheit ist unter dem Begriff der periodischen Augenentzündung schon im 18. Und 19. Jahrhundert als ein Hauptgewährsmangel in die Rechtsprechung eingegangen. Unter dem medizinischen Fachterminus Equine Rezidivierende Uveitis (ERU) wird der Befall des Auges durch Leptospiren bezeichnet. Diese Bakterienart überträgt sich durch den Harn von Ratten und Mäusen und gerät durch konterminiertes Futter oder Wasser in den Blutkreislauf. Der Kontakt mit den äußerst langlebigen Keimen findet bei nahezu jedem Pferd statt. Entscheidend ist, ob die Leptospiren nicht nur in den Blutkreislauf sondern auch in das Auge oder beide Augen gelangen. Dort können sie Monate oder Jahre überleben bis es zum Ausbruch einer Augenentzündung kommt.

Bei beinahe 30 Prozent der Fälle erkranken beide Augen des Pferdes und die Struktur des inneren Auges wird schleichend geschädigt. Ohne Behandlung führt die periodische Augenentzündung zum Erblinden der Augen. Tritt die Entzündung im vorderen Bereich des Auges auf, ist sie für das Pferd sehr schmerzhaft, was häufig zu einer frühzeitigen Erkennung der ERU führt. Oft unbemerkt bis zu einem späten Stadium bleibt die im hinteren Teil des Auges stattfindende Entzündung. Da sie weniger schmerzhaft ist, entdecken sie Tierärzte meist nur durch Zufall – zum Beispiel bei Ankaufsuntersuchungen.

Symptome wie eine Lidschwellung, Tränenfluss, gerötete Bindehäute, Lichtscheue, eine Verengung der Pupille und Trübung der Hornhaut können auf eine periodische Augenentzündung hinweisen. Nach einem ersten akuten Entzündungsschub folgt meist eine Phase ohne Entzündung, in der aber die Anzeichen des ersten Schubs noch vorhanden sind. Danach können in Tages-, Wochen- oder Monatsabständen einer oder mehrere Schübe erneut auftreten. Nach mehreren Entzündungsintervallen kann eine Verfärbung der Gestaltveränderung der Iris, eine Verkleinerung des Augapfels, Netzhautablösung oder Trübung der Linse, des Glaskörpers oder der Hornhaut zu beobachten sein.

Die Equine Rezidivierende Uveitis gilt nur als heilbar, sofern noch keine bleibenden Schäden eingetreten sind. Die medikamentöse Behandlung bei Entzündungen ohne Hornhautschädigung kann mit Augensalben und entzündungs- und schmerzhemmenden Mitteln stattfinden. Doch meist treten die Symptome nach einem kurzen Intervall wieder auf. Deutlich längerfristigen Erfolg verspricht eine Operation bei der eine Vitrektomie durchgeführt wird. In Vollnarkose wird der Glaskörper des Auges, der lediglich in der Embryonalentwicklung eine tragende Rolle spielt, zerschnitten und abgesaugt. Das Auge füllt den Bereich des entnommenen Glaskörpers durch Kammerwasser und bietet den  Leptospiren keine Möglichkeit zur erneuten Ansiedlung.

Eine weitere Möglichkeit stellt das Implantieren eines Virostatikums dar, das in gleichmäßigen Mengen Wirkstoffe abgibt und somit eine dauerhafte Behandlung mit Augensalben ablöst. 

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