Pferde auf Reiterhof an Botulismus verstorben

Botulismus, Silage, PferdekrankheitFoto: IStock DuxX

Bei Adenbüttel im Landkreis Gifthorn in Niedersachsen sind insgesamt neun Pferde verstorben. Sie zeigten akute Vergiftungssymptome und konnten trotz umgehender tierärztlicher Behandlung nicht mehr gerettet werden. Die tödliche Gefahr kam aus dem Futter. Botulismus. Offenbar enthielt ein gelieferter Ballen Silage das gefürchtete Bakterium, das die schweren Vergiftungen auslöste.

Schon nachdem das erste Pferd auf der Sanddorn Corral Ranch Krankheitssymptome gezeigt hatte, wurden Laborproben vom Tierarzt genommen und vorsorglich das Futter gewechselt. Desinfektionsschleusen wurden eingerichtet und die Tierhalter wurden gebeten, alle Pferde in Ihren Bereichen zu lassen, um mögliche Ansteckungen zu vermeiden. Nach fast einer Woche war dann der Verdacht Botulismus da, welcher nun durch Ausschluss und Symptome wie auch tödlicher Verläufe bestätigt ist.

Botulismus

Wie oft Pferde oder auch andere Tiere durch Botulismus sterben, ist nicht bekannt, da Botulismus keine melde- oder anzeigepflichtige Krankheit ist. Auslöser der Vergiftung ist das Bakterium Clostridium botulinum, das sich unter speziellen Bedingungen vermehren und ein äußerst wirkungsvolles Gift – das Botulinustoxin – absondern kann. Die von diesem Bakterium gebildeten Nervengifte, so genannte Neurotoxine, zählen zu den stärksten Giften, die man kennt und können bei Pferden und anderen Weidetieren zu Vergiftungserscheinungen und in vielen Fällen auch zum Tod führen.

Botulinustoxin gelangt über das Futter oder verschmutztes Wasser in den Körper, wodurch es in die Blutbahn gerät und von peripheren Nervenenden aufgenommen wird. In der Folge blockiert das Gift die Freisetzung von Transmittern. Dadurch kann es zu vielfältigen Ausfalls- und Lähmungserscheinungen kommen. Viele Pferde leiden an Kau- und Schluckbeschwerden, allgemeiner Schwäche, Ataxie, Atemnot oder auch einer gestörten Darmtätigkeit, die sich in kolikähnlichen Symptome zeigen. Diese Symptome treten meist ohne Fieber oder sonstige erkennbare Schmerzen beim Pferd auf.

Ursachen von Botulismus beim Pferd

Die häufigsten Ursachen für den Ausbruch einer Botulismus-Erkrankung sind toxin-kontaminierte Silage, der Kontakt mit toten Kleintieren wie Mäusen oder Ratten, in denen sich Botulismus-Bakterien vermehrt und Gifte gebildet haben oder eine Kombination aus beidem: tote Tiere in einem Silageballen.

Typische Symptome von Botulismus beim Pferd – Inkubationszeit und Krankheitsverlauf

Nach der Aufnahme von toxin-belasteten Futtermitteln können in den darauffolgenden 1-14 Tagen klinische Symptome auftreten. In den meisten Fällen beginnt alles damit, dass die erkrankten Pferde langsamer fressen, vermehrt speicheln, die Zunge heraushängen lassen und sich schwer tun beim Saufen und Fressen. Sie blinzeln immer weniger und auch der Schweif bleibt nahezu reglos. Dazu kommen möglicherweise

  • ein schwankender Gang
  • Muskelzittern
  • Kau- und Schluckbeschwerden
  • Lähmungen von Zunge, Kaumuskulatur, Rachen und Kehlkopf
  • Lähmung der Skelettmuskulatur
  • Kolikanzeichen
  • Ataxie
  • Festliegen
  • Sehstörungen
  • Atemnot

Der Tod tritt schließlich durch eine Atemlähmung ein.

Die angesprochenen Symptome lassen auch auf andere Krankheitsbilder schließen. Ein starker Verdacht auf Botulismus besteht allerdings, wenn das betroffene Pferd trotz der genannten Anzeichen nicht unter Fieber leidet und nicht depressiv, ängstlich oder bösartig erscheint. An Botulismus erkrankte Tiere zeigen darüber hinaus kein Schmerzempfinden.

Vorbeugung vor einer Botulismus-Vergiftung bei Pferden

Da aktuell keine zugelassenen Impfstoffe in Deutschland zur Prophylaxe bei Botulismus zur Verfügung stehen, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Keine Bekämpfung von Ratten und Mäusen mit Giften in der Nähe des Stalles oder der Scheune. Die Tiere könnten sich besonders im Heulager oder anderen Futterlagerstätten verkriechen und verenden. Die Gefahr der Futterkontaminierung steigt.
  • Bei der Ernte gilt: Je weniger Erde in das Futter gelangt, umso geringer ist die Zahl der Bodenkeime. Es empfiehlt sich die Einstellung des Mähwerkes auf eine Schnitthöhe von acht Zentimetern über dem Boden.
  • Gemähtes Gras gründlich wenden.
  • Weiden vor dem Mähen nach Tieren absuchen, um zu vermeiden, dass Kadaver mit eingepresst werden.
  • Nur qualitativ hochwertige Silage füttern.
  • Verdorbene Silage niemals verfüttern oder auf den Misthaufen bringen.
  • Da Silage nachweislich häufig in Zusammenhang mit Botulismus-Erkrankungen steht, sollte man bei deren Fütterung besondere Aufmerksamkeit walten lassen.

Daran erkenn man gute Silage

  • Geruch: Die Silage sollte aromatisch und säuerlich bis brotartig riechen. Riecht sie stattdessen nach Schweiß oder ranziger Butter, mostartig oder beißend, so sollte der ganze Ballen verbrannt werden.
  • Aussehen: Die Plane um den Ballen herum sollte nirgendwo beschädigt worden sein. Die Silage selbst darf nicht mit Nager-, oder Vogelkot, Erde oder Schimmel verschmutzt sein. Sie sollte normal bräunlich sein, nicht gelblich oder giftgrün
  • pH-Wert: Die Silage muss während des Gärprozesses ausreichend „durchsäuert“ worden sein. Ist dies geschehen, so liegt ihr pH-Wert anschließend unter 4,5. Der Wert kann mittels eines pH-Meters überprüft werden. Ab einem Wert von über 5 sollte der Ballen auf keinen Fall mehr verfüttert werden.
  • Trockensubstanzgehalt: Gute Silage hat einen Trockensubstanzgehalt von 25 bis 40 %. Diesen kann man selbst testen, indem man einen Strang Silage wie ein Handtuch einmal kräftig wringt ohne nachzufassen. Dabei sollte ein Saftaustritt zwischen den Fingern erfolgen. Die Silage ist von minderer Qualität wenn entweder kein Saft austritt oder bereits bei leichtem Händedruck
  • Schnitthöhe: Um das Einschließen von Tierkadavern und Erde in die Silage zu verhindern, sollte der Landwirt seine Wiese nicht direkt über dem Boden mähen sondern eine Schnitthöhe von ca. 10 cm einhalten.
  • Silierhilfsmittel: Es sind DLG-geprüfte Silier-Hilfsmittel verfügbar, die eine Wirksamkeit gegen Clostridien haben.

 

Beim leisesten Verdacht auf Botulismus sollte umgehend ein Tierarzt gerufen werden, der eine genaue Diagnose stellen und auch alle nötigen Behandlungsschritte einleiten kann. Der beste Schutz vor Botulismus ist allergrößte Sorgfalt bei der Herstellung von Futtermitteln – insbesondere von Silage – sowie eine gewissenhafte Kontrolle vor dem Verfüttern.

Doch wie der aktuelle Fall zeigt, lässt sich selbst bei genauester Prüfung eine Vergiftung nicht immer vermeiden – Botulismus ist und bleibt eine heimtückische Gefahr, die im lebenswichtigen Pferdeheu lauern kann.

 

 

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