Sommerekzem: von innen behandeln

Foto: Rebekka D

Damit die Weidesaison nicht zur Quälerei für betroffene Pferde wird

Provokativ wäre zu sagen: wer keine Pferde aus Island importiert, bekommt auch keine Ekzemer. Wer Pferde im Winter kauft, erkennt den Ekzemer erst im Frühling? Tatsächlich schleppen Importe nicht nur Wollhandkrabben aus China in unsere Gewässer ein, sondern Pferde aus Spanien, Portugal und Südfrankreich bringen neue Insektenarten mit sich. Viele Isländer kommen auf dem Festland seltener klar, sie sind bekannt für den Ausbruch des Ekzems. Was aber tun, wenn das berühmte Kind in den Brunnen gefallen ist?

Der Markt ist inzwischen überschwemmt mit Gegenmaßnahmen, die Pferdebesitzer treffen sollen, wenn sie einen Ekzemer im Bestand haben. Vermeidung des Auslösers, Stiche der Kriebelmücken, steht dabei ganz oben. Aber: Eindecken ist keine Lösung, so atmungsaktiv kann das Material gar nicht sein. Außerdem muss so ein Ganzkörperschutz oft zusätzlich mit Gurten gegen das Verrutschen gesichert sein, was beim Weidegang nicht angenehm ist. Ist die Temperatur im Frühling und Sommer hoch, besteht die Gefahr beim Eindecken, dass die betroffenen Pferde unter Hitzestau leiden und kollabieren.

Eine Ursache ist Eiweiß im Mückenspeichel, eine andere die Prädisposition, darauf zu reagieren (Quelle: Dr. med. vet. Carla Olschewski, Lübeck, in einer Studie für Neomed Pharma). Pferde nur nachts raus zu stellen, ist eine erfolgversprechende Maßnahme. Aber der Mensch muss früh morgens auf Zack sein und die Pferde in den Stall holen, bevor die Mücken aufstehen, und auch abends zeitig genug aktiv werden, bevor die Ekzemer das Wandern über das Gelände beginnen. Ist das machbar? Es ist mit hohem Aufwand verbunden. Strittig ist auch, ob das Aufbringen von Salben, Tinkturen, Ölen und diversen entzündungshemmenden Mitteln die Qual der betroffenen Pferde lindern kann, dauerhaft. Wenn Wunden durch Scheuern entstanden sind, müssen sie behandelt werden, um Infektionen zu vermeiden, keine Frage. Durchaus richtig, dennoch muss die Haut als Ausscheidungsorgan die Hauptarbeit erledigen.

Zentrales Hilfsmittel ist, den Darm zu sanieren und das Immunsystem zu stärken. Die TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) erläutert dazu: was Lunge, Leber und Nieren nicht ausscheiden können, übernimmt das größte Organ und das ist nun mal die Haut. Früher hat ein spezielles (Fisch-)Öl in Kombination mit Fütterung von Algenpulvern gute Erfolge erzielt. Heute ist die Forschung dazu wieder weiter. Hautkrankheiten sind immer über den Darm zu behandeln, eben von innen heraus, während die Tiermedizin auf Impfungen setzt. Deshalb muss der betroffene Pferdebesitzer entscheiden, ob er Symptome behandeln will oder die Wurzel des Übels erkennen kann.

Ein wichtiger Hinweis ist die Auswahl der richtigen Weideflächen: Gnitzen, die das Allergen durch ihre Stiche im Pferd aktivieren, kommen bevorzugt an Gewässern vor, an Flüssen, an Waldrändern, aber auch in der Nähe der Misthaufen. Deshalb ist es so wichtig, das Milieu im Darm zu verändern, und Gerüche, die solche Mücken anziehen, zu vermeiden. Vorher sollte geklärt werden, ob es sich tatsächlich um das Sommerekzem handelt, denn auch Räude und Haarlinge zeigen ähnliche Bilder. Die Diagnose kann durch einen Bluttest erfolgen. Die Symptome des Ekzems sind:

  • Hautausschlag (Pusteln)
  • Starker Juckreiz, Unruhe und ständiges Scheuern
  • Haarlose Scheuerstellen
  • Hautverdickung
  • Verkrustungen und Schuppenbildung
  • Offene und blutige Stellen
  • Nässende Wunden
  • Sekundärinfektionen

Eine sichergestellte Diagnose ist also unumgänglich, da bei anderen Hauterkrankungen, verursacht durch Pilze und Parasiten, wie zum Beispiel Milben, Läuse und Haarlinge oder einer Infektion mit dem Fadenwurm (Oxyuris equi = verursacht Symptome welche von leichtem Schweifscheuern bis hin zu wundgescheuerten Hinterteilen reichen) ähnliche Symptome entstehen. Bei einem chronischen Verlauf erscheint die Haut häufig verdickt, in Falten gelegt und trocken, ein weiteres Merkmal ist Haarausfall.

Allergiker bilden bei Erstkontakt mit den Mücken entsprechende Antikörper, welche eine Ausschüttung bestimmter Botenstoffe (Histamin) zur Folge haben. Meistens beginnen die Symptome mit der Mückensaison, also zwischen April und Oktober in jedem Jahr. Faktoren, die den Ausbruch begünstigen, sind Ernährung, Lebensraum, Befinden und Stresslevel des Pferdes. Stoffwechselstörungen und Mangelernährung begünstigen dieses Krankheitsbild zusätzlich, es macht also Sinn, über die Fütterung nachzudenken und sie zu überprüfen:

  • Zu viel Weidegang auf energie- und eiweißreichen Wiesen
  • Bewegungsmangel
  • Probleme mit der Darmfunktion
  • Stress (Zusammensetzung der Gruppe?)
  • Zu viel Stärke und Kohlenhydrate

Es bleibt den Pferdebesitzern, die nachweislich Ekzemer im Bestand haben, nicht viel übrig als alle diese Faktoren in ihre Überlegungen mit ein zu beziehen. Dabei kursieren in Foren die unglaublichsten Ratschläge, welches Mittel saisonal gerade Wunder verspricht. Aber was bei einem Pferd geholfen hat, muss beim nächsten nicht unbedingt die Lösung sein. Es bleibt ein langer Weg, herauszufinden, was für das jeweilige, individuelle Problem das richtige Gegenmittel ist. Dazu sollte auch gehören, die Angaben auf Futtermitteln „lesen zu lernen“, um den angeschlagenen Stoffwechsel bei Ekzemern nicht noch mit Zusätzen zu überlasten.

Karola Bady


Über die Autorin:

Karola Bady

Pferde spielen eine wichtige Rolle im Leben der Redakteurin, die für die Schaumburger Zeitung, der DWZ in Hameln und Sport BILD gearbeitet hat.Seit der Jahrtausendwende ist Karola Bady Tierpsychologin für Pferde und bietet auf ihrem Hof in Oldendorf bei Himmelpforten, Kurse und Seminare rund um die Verhaltenskunde der Pferde an. Außerdem finden hier kranke und psychisch auffällige Pferde ein Team von Experten, die sich um das Wohlergehen der Vierbeiner kümmern.

Mehr Infos unter www.pferde-auf-die-couch.de

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