Tollwut-Fall in Deutschland: Wie groß ist die Gefahr für Pferde und Pferdehalter?

Gesundheit | Oktober 2021
 

Bei dem betroffenen Tier handelte es sich um einen Hundewelpen, der illegal und ohne vorgeschriebenen Impfschutz aus dem Ausland importiert wurde. Nach der tierärztlichen Behandlung verstarb der Welpe wenige Tage später in der Tierklinik. Ein erster Schnelltest auf Tollwut fiel positiv aus. Nach weiteren Untersuchungen hat der amtliche Veterinärdienst des Landes Bremen den Tollwutfall offiziell bestätigt.

Insgesamt 41 Personen, die mit dem Tier in Kontakt gekommen war, mussten notgeimpft werden, darunter auch 30 Beschäftigte der Tierklinik, in welcher der Welpe verstorben war. Der Veterinärdienst geht davon aus, dass die Impfung wirksam sind und niemand erkranken werde.

Tollwut ist eine sogenannte Zoonose – eine Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übergehen kann. Deshalb gehört die Tollwut zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Eine Behandlung der Tollwut ist wegen der Ansteckungsgefahr verboten. Mit einer Impfung  kann man der Tollwut jedoch vorbeugen.

Tollwut beim Pferd, auch Rabies oder Lyssa genannt, ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren hervorgerufen wird. Die Tollwut-Viren gelangen zum Beispiel nach einem Biss durch ein infiziertes Tier in den Körper des Pferdes und verbreiten sich über das zentrale Nervensystem.

Die Symptome der Tollwut beim Pferd zeigen sich vor allem durch Nervenausfälle. Erkrankte Tiere verlieren nach und nach die Kontrolle über ihre Muskulatur. Sie werden scheu, gereizt und aggressiv. Zuletzt liegt sich ein Pferd mit Tollwut in der Regel fest und verendet.

 

Symptome:

Die Symptome der Tollwut (Rabies, Lyssa) beim Pferd treten durchschnittlich 14 bis 60 Tage nach der Infektion mit Lyssaviren auf. Allgemein verläuft die Tollwut in drei Phasen, die beim Pferd aber nicht so stark ausgeprägt sind wie bei anderen Tierarten.

  • Prodromalstadium (Vorläuferstadium): In diesem frühen Krankheitsstadium der Tollwut beim Pferd treten nur sehr unspezifische oder sehr unauffällige Symptome auf. Es wird daher bei Pferden auch als „stille Wut“ bezeichnet. Wesensveränderungen, Juckreiz an der Bissstelle und Lecken der Wunde sind mögliche Symptome der Tollwut beim Pferd. Zudem sind die Tiere scheu und gereizt. Sie verhalten sich aggressiv und versuchen zu beißen. Erkrankte Tiere bilden übermäßig viel Speichel und haben Schwierigkeiten beim Schlucken. Deshalb verweigern sie häufig das Fressen. Zudem sind sie sehr unruhig, was sich zum Beispiel durch das sogenannte Krippenbeißen (Benagen der Futterkrippe) äußert. Tollwut kann beim Pferd durch Nervenlähmungen zu heiserem Wiehern führen. Außerdem halten betroffene Pferde mitunter den Kopf schief und/oder erblinden. Sie sind orientierungslos und haben Koordinationsschwierigkeiten.
  • Exzitationsstadium (Erregungsstadium): Auch diese Krankheitsphase der Tollwut ist beim Pferd selten auffällig. Im Erregungsstadium sind die Tiere sehr aggressiv. Unwillkürliche Bewegungen und Muskelzittern sind weitere Symptome.
  • Paralysestadium: In diesem letzten Krankheitsstadium der Tollwut überwiegen Symptome durch Nervenlähmungen. Die Lyssaviren befallen immer mehr Nerven und führen dazu, dass sie nicht mehr richtig funktionieren. Dadurch kann ein an Tollwut erkranktes Pferd seine Muskulatur nicht mehr kontrollieren und liegt sich fest. Innerhalb von drei bis vier Tagen stirbt es in der Regel.

 

Es gibt keine Behandlung für Tollwut bei Pferden und auch kein effektives Heilmittel beim Menschen – mit Ausnahme der sogenannten „Postexpositionsprophylaxe (PEP)“, der Notimpfung. Vorausgesetzt, dass das Virus noch nicht ins zentrale Nervensystem gelangt ist und die betroffene Person oder das betroffene Tier noch keine klinischen Symptome ausgebildet hat. Bei einer unverzüglich nach Exposition durchgeführten PEP liegt die Schutzwirkung bei Immungesunden nahezu bei 100%, so das RKI.

Tollwutimpfstoffe sind für Pferde und Menschen erhältlich.

 

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