Wenn Pferde älter werden

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Pferde, vor allem diejenigen, die bereits bei ihrer Grundausbildung gut gymnastiziert werden und gemäß der klassischen Ausbildung trainiert und geschult werden, können oft bis ins hohe Alter geritten und gearbeitet werden. Sie zeigen sich vital, gesund und voller Lebensfreude. Doch mit dem Alter verbunden gilt es auf viele Aspekte zu achten. Nicht nur der Arbeits-Einsatz, auch Haltung, Fütterung und Pflege müssen gut durchdacht ans Alter angepasst werden.

In Deutschland gab es 2019 etwa 1,25 Millionen Pferde. Davon sind etwa 10 bis 20 Prozent zu den Pferderentnern zu zählen. Daraus ergibt sich ein Pferde-Senioren-Bestand von 125.000 bis 250.000 Tieren. Eine durchaus beachtliche Anzahl an Tieren, Tendenz steigend. Denn Pferde werden heute zunehmend als Freizeitpartner gesehen und auch dann gehalten, wenn sie nicht mehr geritten werden können. Pferdebesitzer und Pensionsstallbetreiber sind, auch wenn sie langjährige Erfahrung in der Pferdehaltung haben, im Hinblick auf alte Pferde längst nicht immer routiniert.

Wann ist ein Pferd alt?

Jedes ältere Pferd sollte so gehalten werden, dass seinen Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Doch wann ist ein Pferd alt? Wenn es um diese Frage geht, gibt es verschiedene Meinungen. Wie alt Pferde tatsächlich werden können, zeigen immer wieder Meldungen über Pferde, die 46 oder 51 Jahre geworden sind. Tiermediziner vertreten die Meinung, dass ein Pferd ab dem 20. Lebensjahr in die dritte Lebensphase eintritt. Ist ein Pferd bereits 25 Jahre, gilt es ohne weiteres als alt. Doch unter Berücksichtigung gewisser Punkte muss eventuell auch das eine oder andere 15-jährige Pferde als „alt“ eingeordnet und entsprechend versorgt werden. Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang die Gesamtbetrachtung der Symptome des Alterns. Tierärzte achten vor allem auf Auge und Gesichtsausdruck, aber auch auf Vitalität und Anteilnahme, Haut- und Fellstoffwechsel, Muskel-Fettstoffwechsel, Veränderungen der Wirbelsäule wie Senkrücken, degenerative Probleme der Gliedmaßen, ein veränderter Hormonstoffwechsel, Schwäche des Immunsystems, Anfälligkeit für Parasiten (Milben, Haarlinge) und nicht zuletzt der Zustand der Verdauungstätigkeit.

Die Haltung alter Pferde erfordert Aufmerksamkeit

Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten gelten selbstverständlich auch für Pferde im Alter 20 Plus. Soziale Kontakte, Bewegung, Gelegenheit zu Ruhephasen, ausreichende und angemessene Einstreu, ausreichend Futter und Zugang zu Wasser sind unverzichtbar. Doch genau hier gibt es schon große Unterschiede zu jüngeren Pferden.
Mit zunehmendem Alter steigt die Tendenz des Pferdes degenerative Erkrankungen wie Arthrose zu entwickeln. Um Beschwerden entgegen zu wirken ist viel Bewegung von Vorteil, diese sollte aber in ruhigem Tempo absolviert werden, also im Schritt. Neben einer entsprechenden Berücksichtigung im Training, sollte daher auf den täglichen Weidegang oder Paddock-Auslauf geachtet werden. Zusätzliche Anreize wie lange Wege zwischen Futterstelle und Tränke bringen zusätzliche Meter, die zurück gelegt werden. Da durch „Zipperlein“ eine gewisse Steifigkeit in der Bewegung auftreten kann, benötigt ein Oldie zudem mehr Platz – für Wendungen zum Beispiel. Box und Auslauf dürfen daher für das ältere Pferd nicht kleiner werden. Große Boxen sind gefragt, mit einer dicken Einstreu versehen. Im Auslauf muss die Möglichkeit bestehen sich abseits zu halten, wenn dem Senior danach ist einem Streit aus dem Wege zu gehen – sprich: der Auslauf muss viel Fläche bieten. Allein sollte der Oldie aber nicht stehen. Soziale Kontakte sind wichtig. Die kann das ältere Pferd am besten in der Gemeinschaft mit verträglichen Pferden pflegen. Da ein Pferd mit zunehmendem Alter in der Rangordnung einer Herde meistens rangniedrig ist, können Herden mit gemischter Altersstruktur ein älteres Pferd stressen. Hier ist die Vergesellschaftung mit gleichaltrigen Pferden in der Regel vorzuziehen.

Wasser und Futter

Im Hinblick auf das Futter werden Pferde-Senioren gelegentlich sehr wählerisch. Andere fressen zwar gut und fast alles, nehmen aber trotzdem ab. Grundsätzlich gilt: Der Bedarf des älteren Pferdes ist erhöht, so kann man bei Heu täglich bis 14 Kilogramm einrechnen. Aufschluss über die veränderten Bedürfnisse geben Tabellen, die unter anderem auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer einzusehen sind. Zu den Tipps und Tricks, wie abgemagerte ältere Pferde wieder aufgefüttert werden können, gehört unter anderem der Einsatz von Zuckerrübenschnitzeln und Maissilage. Was die Aufnahme von Wasser betrifft, so lässt sich feststellen, dass einige ältere Pferde scheinbar vergessen zu saufen – vielleicht funktionieren die Durstrezeptoren bei manchen Pferden im fortgeschrittenen Alter einfach nicht mehr so gut wie früher. Es lohnt sich darauf zu achten, ob der Oldie regelmäßig die Tränke aufsucht. Bei Futter und Wasser kann der Zusatz von Malzbier oder Apfelsaft den Appetit anregen. Doch was dem einen Senior mundet, wird dem anderen Oldie gleichgültig sein. Hier hilft vor allem das Ausprobieren.

Bei den Zähnen reicht es nicht mehr aus nach Haken an den Backenzähnen Ausschau zu halten, auch die Schneidezähne müssen kontrolliert und gegebenenfalls gekürzt werden, damit der gute Biss erhalten bleibt.  Sind die Backenzähne bereits glatt gerieben, was bei manchen Pferden durchaus mit 24 Jahren der Fall ist, können grobe Strukturen in der Folge oft nicht mehr ausreichend zerkleinert werden. Bei Raufutter zeigen sich dann eventuell Wickel, die wieder aus dem Maul fallen. Bei Kraft- und Saftfutter kann es durch unzureichende Zerkleinerung zu Schlundverstopfungen kommen. Die Fütterung von Heucobs oder Heuflakes kann in diesen Fällen die Raufuttergaben ergänzen oder ganz ersetzen.

Und plötzlich ist das Pferd alt

Wird ein Pferd aufgrund von Krankheit unreitbar und aufs Altenteil verabschiedet, ist dem Menschen bewusst „mein Pferd ist alt“. Schwieriger ist es bei Pferden, die lange fit und gesund sind, Freude an der Arbeit haben und Lebensfreude zeigen. Sie lassen ihren Besitzer oft vergessen, dass die Jahre verstreichen und sich ein gewisses Alter eingestellt hat. Der Prozess des Alterns kommt oft schleichend.  Auch wenn das Pferd mit 25 Jahren noch übermütig über die Wiese tobt und seinen Galopp im Gelände einfordert, gilt es aufmerksam darauf zu achten, ob Herde, Futter und Haltung noch angemessen sind. Ältere Pferde benötigen Aufmerksamkeit und ein gutes Management, damit sie gesund und munter die letzten Jahre genießen können.

 

Dusty genießt sein Rentnerdasein. Ein Offenstall und ausreichend Weide mit einem gleichalten Partner sorden dafür, dass sich der 32 Jährige Wallach wohlfühlt. Wie man sieht, genießt er das Schlammbad.

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