Frederiksborger Pferde heute

Frederiksborger Pferde, Anja Beran und SiriusSirius von Anja Beran ist einer der letzten reinrassigen Hengste / Foto: Maresa Mader

Barockpferde | Inka Bennemann | 16.06.2017

Die heutige Zucht des Frederiksborgers bringt verschiedenartige Typen hervor, die sich aus der Zuchtgeschichte der Rasse ergeben (Schulpferd Renaissance/Barock, Kavalleriepferd, Bauernpferd/Arbeitspferd, Fahrpferd, Sportpferd). Vorrangig handelt es sich meist um Mischungen der unterschiedlichen Rassetypen. Obwohl im Verbandsreglement des FHF festgeschrieben ist, dass man ”das einzigartige Exterieur schützen und bewahren und dieses so nah wie möglich an die klassische Prägung des Frederiksborgers heranreichen soll”, sieht das gegenwärtige Zuchtziel in der Praxis so aus, dass hauptsächlich Frederiksborger als zuchttauglich anerkannt werden, die im Warmblut- und Sportpferdetyp stehen. Tatsächlich gelingt es immer mehr Frederiksborger Pferde in den Sport zu bringen, das Springvermögen einiger Hengste ist enorm und die Dressurveranlagung zu „hohen“ Gängen mit großer Aktion seit “Totilas“ wieder modern.

In den letzten 10 Jahren ist die Aufmerksamkeit aus unterschiedlichen Interessen (Reit- und Fahrsport, Tradition, Barockreiten, Freizeitreiten) im In- und Ausland gestiegen, sodass es heute Frederiksborger Pferde in mehreren skandinavischen und europäischen Ländern und sogar auch in den USA gibt. Allerdings schlägt auch die europäische Wirtschaftskrise zu: Es wird weniger gezüchtet und viele der Jungpferde, die keinen Käufer finden, landen beim Händler oder auf dem Schlachthof.

 

Legolas / (Foto: Julia Hipp / www.hipp-fotografie.de)

 

Das Exterieur

Sucht man ein barockes Reitpferd für den anspruchsvollen Freizeitreiter, sollte man sich an die Beschreibung der Merkmale des klassischen Frederiksborgers halten.

Das Gebäude des Frederiksborgers ist stabil, muskulös und als harmonisch zu beschreiben. Gewünscht ist ein Pferd mit stark ausgeprägter Oberlinie: ein bis zur Lende, relativ kurzer Rücken, mit einer abgerundeten, breiten Kruppe und einem niedrigen Schweifansatz. Der bei allen Erscheinungstypen hoch angesetzte Hals sollte ein langes Genick mit genügend Ganaschenfreiheit haben und nicht zu straff muskuliert sein. Ein klassisches Merkmal ist auch ein leichter ”Ramskopf” mit konvexem Profil, wobei die Augen aller Frederiksborger ausdrucksstark, groß und klar sind. Der nur wenig ausgeprägte Widerrist liegt bei den meisten Frederiksborgern etwas hinter der gut gewinkelten, nicht zu steilen Schulter. Die Hinterhand wirkt dadurch tragfähig, dass die Sprunggelenke groß und stark gebildet und nicht zu steil in einer Linie unter dem Beckenknochen platziert sind. Mähnen und Schweifhaar sind oft gewellt und sehr dicht gewachsen.

Foto: Julia Hipp / www.hipp-fotografie.de

Außen stark, innen sensibel

Der Bewegungsablauf der Frederiksborger ist absolut taktfest, raumgreifend mit Schubkraft aus der Hinterhand ausgestattet, Vorderknieaktion und Aktion im Sprunggelenk sind oft vorhanden und unterstützen die Federkräfte.

Die Frederiksborger sind heute in der Regel Füchse. Stichelhaar und großflächige Abzeichen an Beinen und Kopf gelten ebenso als Reminiszenz an die farbigen Vorfahren, wie die letzten Rappen und „gelben“ Pferde. Schimmel sind ausgestorben, Palominos und Falben durch das Einkreuzen von Fremdblut im Kommen.

Das Wesen der Frederiksborger ist sehr menschenbezogen. Sie sind ausnehmend intelligent und scheinen „ihren“ Menschen zu lieben. Gepaart mit einer offenen, willigen und ehrgeizigen Arbeitshaltung fordern sie den Reiter zwar stark, geben ihm aber ein unvergleichliches Reitgefühl zurück. Frederiksborger vergessen schlechte Erlebnisse nie, und wenn sie sich vernachlässigt oder ungerecht behandelt fühlen, reagieren sie oft unwirsch bis hin zur Abneigung und Arbeitsverweigerung. Ist das Vertrauen aber erst einmal gesichert, reagiert der Frederiksborger mutig und folgt in der Regel nicht sofort seinem Fluchtinstinkt, sondern bleibt, wenn er etwas nicht versteht, einfach stehen und wartet auf die Klärung der Situation. Auf keinen Fall sollte man ein Frederiksborger Pferd mit Druck und Zwang „dominieren“ wollen. Diese Pferderasse akzeptiert den Menschen nur dann als ranghöher, wenn er ihnen mit Einfühlungsvermögen, Kooperationsbereitschaft und mit fairen Lernangeboten begegnet. Gewarnt sei vor zu häufigen Wiederholungen bei der Arbeit, diese scheinen die aufmerksamen Reitpartner zu langweilen. Deshalb sind viele Variationen im Training notwendig, will man seinen Frederiksborger weiterhin für die gemeinsame Arbeit begeistern!

 

Robust und genügsam

Die Frederiksborger Pferde sind eine widerstandsfähige Rasse. Ihre Hufe sind hart und groß, Beine und Gelenke stark und „Wohlstandskrankheiten“ wie Rehe oder Kolikanfälle kommen ohne Grund nicht vor. An das raue Klima des Nordens gewöhnt, fürchten sie weder Wind noch Regen. Auch im Winter kommen sie ohne Decke aus. Natürlich lieben sie ihren täglichen Weidegang und die frische Luft. Frederiksborger sind sehr leichtfuttrig – oft regelrecht verfressen – und somit als genügsam zu bezeichnen.

Drei hervorragende Grundgangarten, eine natürliche Eleganz und viel Ausstrahlung machen diese Pferde zum Dressurtalent. Durch die enorme Stärke der Hinterhand, mit einer angeborenen Fähigkeit zur überdurchschnittlichen Hankenbeugung, sind die meisten der Pferde gut zum Springen geeignet. Auch Distanzreiter finden zunehmend an den zähen, ausdauernden Typen, deren genetisches Erbe im höheren Blutanteil verankert ist, gefallen. Durch seine Intelligenz und Offenheit ist der Frederiksborger offensichtlich in allen Bereichen einsetzbar. Dass diese Ausnahmepferde, in denen wertvolles genetisches Material europäischer Geschichte schlummert, auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen stehen, ist deshalb kaum zu glauben.

 

Sirius bei Anja Beran / Foto: Maresa Mader

Einer der letzten reinrassigen Hengste, Sirius B. geboren 2006, befindet sich im Stall von Anja Beran. Er gehört der hauseigenen Stiftung, welche sich die Bewahrung der Klassischen Reitkunst zum Ziel gesetzt hat.

Der Ausbildungsschwerpunkt für den Frederiksborger-Hengst Sirius liegt auf der Beseitigung seiner ausgeprägten Schiefe. Der im Barocktyp stehende Fuchs wurde von unserer Bereiterin Vera Munderloh bis zur hohen Schule ausgebildet und dient nun den Eleven der Anja Beran Stiftung als Lehrpferd. Lektionen wie Piaffe und Kompliment schulen sein Körpergefühl, auch bei der Arbeit am langen Zügel macht der Hengst eine gute Figur. Das durchaus selbstbewusste Auftreten dieses intelligenten Frederiksborgers verlangt dem Menschen jedoch sowohl im Umgang als auch im Sattel einiges ab. So kann Sirius bei körperlicher Anstrengung schon mal widersetzlich werden, blockiert und verspannt sich. Dann ist vom Ausbilder Kreativität und Köpfchen gefragt, um den grundsätzlich menschenfreundlichen Fuchs wieder für sich und die für ihn so wertvolle Arbeit zu gewinnen. Mit seiner imposanten Aufrichtung und dem edlen Profil kann Sirius aber stets aufs Neue beeindrucken und lässt mit seinem Auftreten die Bilder der barocken Reitkunst wieder lebendig werden.

 

Bent Branderup über die Frederiksborger:

„Das ist ein Pferd wie eine weiße Leinwand. Ein Mensch kann daraus ein Gemälde machen.“

(Foto: Julia Hipp / www.hipp-fotografie.de)

 

Schon viele Jahre setzt sich Bent Branderup für den Erhalt der Frederiksborger ein. Er kritisiert das mangelnde Interesse des dänischen Königshauses am lebendigen Kulturgut und verlässt sich darauf, dass die noble Rasse – ebenso wie die Knabstrupper – durch Liebhaberzucht am Leben erhalten wird. Einige seiner Schüler, insbesondere in Schweden, bilden Frederiksborger eindruckvoll in der Akademischen Reitkunst aus. Als reines Freizeitpferd, das nur wenige Male in der Woche zum Ausreiten oder ab und zu für das Reiten in der Bahn genutzt wird, eignet sich, so Branderup, der Frederiksborger nicht. Dazu ist er zu anspruchsvoll, intelligent und lernmotiviert.

Inka Bennemann

 


 

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