Situation der Hofreitschule Bückeburg im Lockdown

Hofreitschule Bückeburg

„Ich kann ja nicht einfach den Stecker ziehen und die Pferde abschalten“, sagt Christin Krischke zur Bedrohung der Existenz durch den erneuten Lockdown. Kurzarbeit und die Entlassung einiger Angestellter retten die Hofreitschule in Bückeburg vermutlich nicht. In den Boxen stehen immer noch rund 20 Pferde, die betreut werden müssen, was monatliche Kosten für Fütterung und Versorgung alleine in Höhe von ca. 3000 Euro verursacht, so Krischke gegenüber dem NDR. Auch der Verkauf einiger Pferde, den die Geschäftsführerin in der Not seit dem ersten Lockdown in die Wege leiten musste, schmerzt sie sehr.

 

Wie viele andere Betriebe im Metier auch, trifft Corona die Hofreitschule hart. In der Halle arbeiten zwischen vier und fünf Mitarbeiter täglich die Hengste und die Berittpferde. Eine Mitarbeiterin hat gerade ihre Prüfung gemacht und verlässt den Betrieb gen Heimatstall. Andere sind wegen der Einzigartigkeit der Ausbildung extra aus ganz Deutschland – einer sogar aus Ungarn – nach Bückeburg gekommen! Hofreitmeister Wolfgang Krischke gibt Unterricht, auch auswärts, und betreut die weekly students, um seinen Beitrag für die Erhaltung der Einrichtung zu gewährleisten, aber es fehlen eben komplett die Einkünfte aus dem Weihnachtsgeschäft, die bis zum März sonst sicherstellen, dass es weitergeht. Die Überlegung geht jetzt in die Richtung, die Hofreitschule in eine GmbH zu wandeln, damit Spenden angenommen werden könnten, denn Gelder vom Land gibt es nicht dauerhaft.

 

Die Hofreitschule gibt es unter dem Ehepaar Krischke im Fürstlichen Marstall Bückeburg seit 2004. Vorher stand es auf der Kippe, da der Verein, der dort beheimatet war, durch ständige Querelen und finanzielle Desaster den Fortbestand gefährdet hatte. Der Vater des jetzigen Fürsten Alexander zu Schaumburg-Lippe hatte sogar Pläne verfolgt, in den Ställen eine Art Galerie mit kleinen Geschäften zu schaffen, die Pferde sollten aus dem Schlossbereich weg! Früher waren die Boxen eng und dunkel, die Halle ist zu klein für Turniere, und so hat der Einzug der Hofreitschule einen gewissen Glanz ins alte Gemäuer gebracht, es passt eben zum Schloss und zur Geschichte. Wolfgang Krischke: „Wir haben damals wohl 400 Jahre alten Hallenboden entsorgt“. Weidegang, wie es heute auch den Hengsten angeboten wird, gab es früher im Marstall nicht. Leider ist die finanziell angespannte Situation auch ein Grund, dass der für Pferde giftige Bergahorn von diesen Weiden nicht entfernt werden konnte. Die Höhe der Kosten für Gutachten, Entsorgungsmaßnahmen und Neuanpflanzungen übersteigt gerade das Budget erheblich, das ist jetzt nicht mehr drin. Sechs Pferde, darunter der Mini namens Jack Sparrow, sind dem Bergahorn schon zum Opfer gefallen. Schon vor Corona.


Kommentar:
Viele Pferdebetriebe leiden unter den Coronamaßnahmen und dem Lockdown. Es ist zu erwarten, dass die Auswirkungen sich erst 2021 im vollen Ausmaß zeigen werden. Die Zeit, in der Spitzensportler*innen ins Land kamen, um Nachwuchspferde für gutes Geld zu kaufen,
sind längst vorbei. Johann Hinnemann berichtet, dass er die Transporter noch sieht, aber sie fahren am Hof vorbei ins Ausland. Die Zucht hat wichtige Ansprüche „verschlafen“, sich zu lange ausgeruht auf ihren Lorbeeren, die Ställe sind voll, die Preise am Boden. Wer sich vor Corona nicht neu aufgestellt hat, wird die Krise jetzt wohl nicht überstehen. Gute Pferde im Nachwuchsbereich werden nach wie vor „von kleinen Mädchen“ angeritten, als Beispiel, und die guten Ausbilder sind wahrhaftig nicht an der Basis unterwegs. Wie auch, für den Preis?
Die Hofreitschule leistet nicht nur wertvolle Arbeit in der Ausbildung der Pferde, die Hohe Schule zeigen. Die Reitseminare vermitteln wichtiges Wissen, das offenbar in der Szene immer noch fehlt. Reitschüler*innen kommen aus dem ganzen Land nach Bückeburg, um einen anderen Umgang zu lernen. Das Ehepaar Krischke fuhr bisher durch ganz Deutschland, um auf fremden Anlagen Kurse zu geben, das fällt jetzt alles aus. Breit aufgestellt in ihrem Angebot für Kunstreiter bis hin zum Freizeitpferd, das gesund geritten werden soll, nützt trotzdem nichts, wenn nicht andere Möglichkeiten der Finanzierung gefunden werden. Bei dem hohen Grad an Wissen müsste es möglich sein, als Kulturerbe anerkannt zu werden.
Auf der ganzen Welt gibt es fünf anerkannte Hofreitschulen, die bekannteste ist wohl in Wien. Aber Bückeburg hat sich inzwischen einen Ruf erworben, weil auch Menschen ins Museum und zu den Veranstaltungen kommen, die Pferde zwar mögen, aber eben keine haben… Neue Wege, wie virtuell zu unterrichten, dürfen nicht grundsätzlich negiert werden, und wer auch Laien die Reitkunst vermitteln kann, sollte nicht unter die Räder geraten.


Karola Bady

 

Lucie in der Hofreitschule Bückeburg

 


Über die Autorin:

Karola Bady

Pferde spielen eine wichtige Rolle im Leben der Redakteurin, die für die Schaumburger Zeitung, der DWZ in Hameln und Sport BILD gearbeitet hat.Seit der Jahrtausendwende ist Karola Bady Tierpsychologin für Pferde und bietet auf ihrem Hof in Oldendorf bei Himmelpforten, Kurse und Seminare rund um die Verhaltenskunde der Pferde an. Außerdem finden hier kranke und psychisch auffällige Pferde ein Team von Experten, die sich um das Wohlergehen der Vierbeiner kümmern.

Mehr Infos unter www.pferde-auf-die-couch.de

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