Zweifelhafter Handel mit Schlachtpferden

Handel mit Schlachtpferden

News | Rebecca | 27.02.2017

Der Konsum von Pferdefleisch ist schon lange kein Tabuthema mehr. Im Gegenteil, da das Fleisch als besonders mager und bekömmlich gilt, gewinnt es zunehmend an Beliebtheit.

Bei einer jährlichen Tötungsrate von rund 214.000 Pferden in Europa kommt hiervon schon alleine die Hälfte zur Schlachtung (statistisches Amt der Europäischen Union Eurostat). Spitzenreiter sind die Länder Polen und Rumänien. Dort werden jährlich um die 20.000 Tiere zu Ernährungszwecken getötet und rund 10.000 zur Schlachtung ins Ausland verbracht.

Leider entsteht damit fast zwangsläufig, wie bei anderem Schlachtvieh auch, die Diskussion über die Umstände der Schlachttransporte. Tierschützer kämpfen seit Jahren erfolglos darum, dass die EU-Richtlinien von einer maximalen Transportdauer über 24 Stunden innerhalb der EU auf einen Maximalzeitraum von acht Stunden gekürzt wird.

 

Polen will Schlachtpferde nach Japan verkaufen

Für Empörung und Proteste sorgt ganz aktuell eine Meldung der Tierschutzorganisation PETA. Diese berichtet von einem geplanten Abkommen, laut dem Polen zukünftig Schlachtpferde bis nach Japan transportieren will.

Im Jahr 2009 dokumentierte PETA USA, welchen Leidensweg amerikanischer Pferde auf dem Weg zu japanischen Schlachthöfen durchlaufen.

Andrzej Pazgan, Fachreferent für Tiere in der Agrarindustrie und Koordinator für Osteuropa bei PETA Deutschland, weist darauf hin, dass Pferde bereits bei einem zehnstündigen Transport mit dem Flugzeug bis zu 5% ihres Körpergewichts verlieren können.

Eine Reise von Polen nach Japan würde für die Tiere mit einem Schiffstransport von bis zu 30 Tagen verbunden sein. Bei einer so großen körperlichen Belastung ist es laut Pazgan möglich, dass ein Teil der Pferde die Reise nicht lebend überstehen werden. Hinzu komme, dass nach Verlassen der EU-Grenzen eine Gewährleistung und Überprüfung von Tierschutznormen praktisch unmöglich sei.

Die polnische Tierschutzorganisation VIVA bekräftigt, dass es bereits bei den zwei bis dreitägigen Transporten von Polen nach Süditalien wiederholt zu groben Gesetzesverstößen komme. Bei einer Schiffsreise nach Japan seien nicht nur die erforderlichen Kontrollen unmöglich. Es gebe auch schlichtweg zu viele Risiken, wie z.B. Aggressionen zwischen den Pferden, mangelnde tierärztliche Betreuung, unzureichende Versorgung an Futter und Wasser und eine extreme psychische Belastung durch die Unterbringung im Laderaum des Schiffes, sowie durch Seegang und Stürme.

 

Europaweite Proteste und Widerstand seitens der polnischen Bevölkerung

Über eine Million EU-Bürger hat in den vergangenen Jahren gegen Langstreckentransporte von Tieren die Stimme erhoben. In der polnischen Bevölkerung spricht sich mit 69 Prozent eine deutliche Mehrheit gegen die Schlachtung von Pferden zu Ernährungszwecken aus. Verschiedene polnische Organisationen mit sozialem Hintergrund haben über 500.000 Unterschriften gegen Langstreckentransporte und für die Anerkennung von Pferden als Haustiere gesammelt.

Der polnische Tierschützer Pawel Rawicki von Stowarzyszenie Otwarte Klatki appelliert gemeinsam mit PETA an den polnischen Präsidenten Andrzej Duda. Duda habe im Wahlkampf angekündigt, sich für tierfreundliche Projekte einsetzen zu wollen, und könne dies nun tun, indem er das Schlachtpferdeabkommen zwischen Polen und Japan verhindere. Die Tierschützer fordern zudem das Landwirtschaftsministerium und den Generaldirektor der Veterinärdienste auf, die Meinung der polnischen Bevölkerung, sowie Tierschutzvereine und Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien zu berücksichtigen. Das Wohlergehen der Tiere könne bei derartigen Mammuttransporten schlichtweg nicht gewährleistet werden.

Da die Regierung trotz aller Proteste an dem Abkommen mit Japan festzuhalten scheint, hat die Tierschutzorganisation VIVA eine ONLINE-PETITION ins Leben gerufen. Die Petition richtet sich an die bereits genannten polnischen politischen Instanzen und fordert eine sofortige Einstellung des Vorhabens mit Japan. Die Verfasser bezeichnen es als skandalös und völlig inakzeptabel, ein solches Vorhaben überhaupt in Erwägung zu ziehen und bezeichnen einen Schlachttransport von Pferden nach Japan als „grobe Verletzung der polnischen Tradition und des Willens einer großen Mehrheit der Bevölkerung“. Eine solch absurde Idee bedecke das Land mit Schande und bedeute für die Tiere die Hölle.

Die Petition wurde inzwischen von 120.000 Menschen unterzeichnet. Wer die Protestaktion mit seiner Unterschrift unterstützen möchte findet sie unter folgendem Link:


http://ratujkonie.pl/petycja-japonia

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