BAROCKREITEN - klassische Dressur in höchster Vollendung

Barockreiten | Rebecca | 02.02.2018

Die Entstehung des Barockreitens

Die Bezeichnung Barockreiten ergibt sich aus dem Zeitalter des Barock (ca. 1600-1750).

Bereits aus der Renaissancezeit gibt es Überlieferungen, die Feldübungen mit Pferden zum Zweck der Kriegsvorbereitung beschreiben. Bis heute bekannte Schriften von Reitmeistern wie Antoine de Pluvinel behandelten schon Traververschiebungen, Pirouetten, rasantes und wendiges Reiten zum Zwecke der Waffengänge und Schulsprünge als Verteidigungsstrategien im Gefecht. 

In der Barockepoche entwickelte sich aus den Lektionen zur Ausbildung von Kriegspferden erstmals die Reit“kunst“. Man begann in der Reitbahn zu trainieren, der Ausbildungsweg war lang und gründlich und bei der Ausführung von Lektionen wurde auf Sorgfalt und eine harmonische Darstellung geachtet.

Aus den Schulsprüngen entwickelte sich die „Hohe Schule“, deren Lektionen wie Courbette, Kapriole oder Levade Ausdruck höchster Versammlung waren und sind.

Das Pferd wurde mehr und mehr zu einem Statussymbol des Adels.

Francois Robichon de la Guérinière (1688-1751), der als einer der wesentlichen Mitbegründer der klassichen Reitkunst gilt, erwähnt in seinen Abhandlungen erstmals die Piaffe sowie die Bedeutsamkeit des Schulterhereins. Er versteht die Dressur als Gymnastik fürs Pferd mit dem Ziel Muskeln zu stärken und Losgelassenheit, Gleichgewicht, Gehorsam und Versammlung zu erreichen.

Sowohl für den Einsatz im Krieg, als auch für die barocke Reitkunst waren schnelle, wendige, feinfühlige und gehorsame Pferde gewünscht, die auf kleinste Hilfen reagieren und leicht an der Hand gehen konnten. Der quadratische, kurze Typ Pferd, meist mit kräftigem Hals, hoher Aufrichtung und langem Behang, war sowohl anatomisch als auch äußerlich für einen Kriegsherren, genauso wie für einen Reitmeister die ideale Wahl. Wohl am deutlichsten geprägt hat den Begriff „Barockpferd“ seinerzeit der Iberer, der auch als Gründervater vieler anderer Barockpferderassen gilt, wie z.B. des Lippizaners. Weitere bekannte Barockpferderassen sind u.a. die Neapolitaner, Knabstrupper, Friesen und Frederiksborger.

Mit Einbruch der Klassikepoche änderten sich die Ansprüche an die Reiterei erneut, das Kavalleriereiten erlangte wieder oberste Priorität. Napoleon Bonaparte veränderte die Art der Kriegsführung und es wurden schnellere, raumgreifendere Pferde benötigt. Einkreuzungen mit Vollblutpferden beeinflussten von nun an die Pferdezucht und veränderten den Reitpferdetyp.

Durch die französiche Revolution erlangten auch die Bürgerlichen Zugang zur Reiterei. Freizeitreiten und Jagdreiten kamen in Mode.

Und mit dem Niedergang des Adels zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat das Thema Reitkunst und damit die Barockreiterei endgültig in den Hintergrund.

 

Barockreiten heute

Durch die Zunahme des Bewusstseins für eine pferdefreundliche Ausbildung hat die Barockreiterei mittlerweile eine „Wiedergeburt“ erlebt. Viele Freizeitreiter wünschen sich eine Möglichkeit, ihr Pferd zu gymnastizieren und die Hilfengebung zu verfeinern. Dann gibt es die Sparte Sport- und Dressurreiter, die nicht mit der aktuellen Tendenz rund um das Thema „Rollkur“, schnellere und frühere Ausbildung und spektakuläre Bewegungen der modernen Sportpferde einverstanden sind. Durch sie sind Barockpferdeprüfungen und die Ausbildung zum Trainer in klassisch-barocker Reiterei (FN) entstanden. Außerdem ist heutzutage die Barockreiterei, in traditionellen Kostümen, bei den meisten Pferdemusicals, -shows und -galas vertreten und besticht durch Harmonie und Leichtigkeit.

 

Merkmale des Barockreitens

Der Begriff Barockreiten steht für höchste Versammlung, schwierigste Lektionen und klassische Eleganz.

Die klassisch-barocke Grundausbildung konzentrierte sich zunächst auf Schritt, Trab und die Entwicklung der Seitengänge. Vor der Galopparbeit wurde die Piaffe erarbeitet. Sie diente auch als Grundlage für die Lektionen der Hohen Schule. 

Der Sitz des Reiters sollte tief sein mit langem, lockeren Bein. Geritten wurde einhändig auf blanke Kandare, oder auch mit Unterlegtrense. Dabei sollte der Reiter nie mehr als das Gewicht des Zügels in der Hand spüren. In der rechten Hand wurde vertikal die Weidenrute gehalten.

Die klassisch-barocke Reitweise ist generell für alle Pferderassen geeignet, da ihr Ziel die Gymnastizierung ist, welche logischerweise jedem Pferd zugute kommt. Ziel ist es, mit dem Pferd als Partner so zu arbeiten, dass es Spaß und hohe Motivation bei der Arbeit zeigt.

Die bekanntesten Vertreter des Barockreitens sind die Spanische Hofreitschule in Wien (Österreich), wo die reiterliche Tradition seit langer Zeit bewahrt wird, die Königliche Andalusische Hofreitschule in Jerez de la Frontera (Spanien) und das Cadre Noir in Saumur (Frankreich).

 

Unterschied zur englischen Reitweise

Die theoretischen Grundlagen der barocken Dressur und der englischen Reitweise sind sehr ähnlich. Der reiterliche Sitz und die verwendeten Hilfen sind vom Prinzip her dieselben.

In der modernen Dressur werden Piaffe, Passage, Galoppwechsel, Traversale etc. zum Selbstzweck erhoben, je spektakulärer und je schneller erlernt, desto besser. Im Vordergrund stehen zumeist der Sport und die Turniererfolge.

Die klassisch-barocke Reitweise versteht allerdings die Dressur als Trainingsprogramm, welches den Körper des Pferdes lockert, die Muskeln durchtrainiert und so aus dem Pferd einen Hochleistungsathleten entstehen lässt. Das Ergebnis: ein Pferd, das seinen Aufgaben, egal in welchem Bereich es eingesetzt wird, mit Leichtigkeit gewachsen ist und keine Gefahr besteht, dass es körperlichen oder seelischen Schaden nimmt.  

Die Pferde wurden für die Barockreiterei seit jeher später und länger ausgebildet (mit 5, 6 oder sogar erst mit 7 Jahren) und lange und viel vom Boden aus gearbeitet, auch am langen Zügel. Dadurch wurden die Pferde älter als unsere heutigen Sportpferde und erbrachten bis ins hohe Alter volle Leistung.

Die Ausbildung wird individuell auf jedes Pferd abgestimmt und es gibt keinen Zeitdruck. Dabei stehen stets die Wahrung der Harmonie zwischen Reiter und Pferd, sowie das Reiten mit feinsten reiterlichen Hilfen ohne Kraft und Druck an erster Stelle. Um dies zu erreichen, wird der reiterliche Sitz sehr intensiv geschult und regelmäßig korrigiert.

 

Fazit

Die Vertreter des klassisch-barocken Ansatzes verstehen das Reiten als Widerspiegelung einer Lebenseinstellung. Sowohl das Pferd, als auch der Reiter sollen ihre edelste Seite präsentieren. Erst durch das stetige Streben nach Ausdruck und Harmonie wird das Reiten zur Kunst und erfreut das Auge des Betrachters.

 

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