Koniks – wilde Graufelle werden Landschaftspfleger

Pferderassen | Rebecca | 07.07.2017

Vom Wildpferd zum Arbeitspferd – von Polen hinaus in die ganze Welt

 

Robust und widerstandsfähig, fruchtbar und charakterfest – so werden sie beschrieben, die hübschen graubraunen Ponies aus Südpolen – die Koniks (pol.: Pferdchen).

 

Ihre Herkunftsgeschichte ist nicht eindeutig geklärt. Auf der einen Seite werden sie als direkter Nachfahre des wilden Tarpans bezeichnet. Andererseits sagt man ihnen nach, verwilderte Hauspferde zu sein.

Aufgrund seiner positiven Rassemerkmale wurde der Konik in verschiedene andere Linien zur Blutauffrischung eingekreuzt, wie z.B. bei den Dülmener Wildpferden und Trakehnern. Dadurch verbreitete er sich über die polnische Landesgrenze hinaus. Von polnischen Bauern hauptsächlich als Arbeits- und Kutschpferd eingesetzt, findet man den Konik heutzutage auch zunehmend als Reitpferd. Seine Galoppierfreude und das gute Springvermögen machen ihn zu einem beliebten Wander-, Freizeit-, Distanz- und Kinderreitpferd.

Aktuell zählen die polnischen Pferdchen 1200 – 1500 Exemplare weltweit.

 

Der Traumjob für Pferde - Erhaltung und Pflege von Naturschutzgebieten

Pferde fressen für ihr Leben gern. Das spüren wir als Besitzer immer wieder deutlich an unseren schlanken Geldbörsen. Drehen wir den Spieß einmal um:

Man nehme ein ehemaliges Tagebaugebiet (Restloch Deutzen) in Sachsen und lasse eine Herde Koniks auf die dort wuchernde Krautschicht los. Der klare Arbeitsauftag für die Pferdchen: fressen was das Zeug hält, Verbuschung verhindern und das Offenland erhalten....

So lautet ein am 25.08.2010 initiiertes Projekt im „Lobstädter Lachen“, Landkreis Leipzig. Die Bergbaufolgelandschaft bietet einen idealen Lebensraum für seltene Vögel, Amphibien und Insekten, sowie für besonders geschützte Pflanzen. Neben der Ernennung zum FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat), gilt der „Lobstädter Lachen“ mittlerweile auch als, nach der Europäischen Vogelschutzrichtlinie, geschützte Region (SPA-Gebiet).

Was gäbe es da Geeigneteres (und Kostengünstigeres), zur natürlichen Landschaftspflege für dieses Kleinod, als Pferde? Seit nunmehr sieben Jahren lebt und grast ganzjährig in dem Naturschutzgebiet der Sächsischen Landesstiftung für Natur und Umwelt (LaNU) eine Konikherde, bestehend aus 5 Hengsten und 17 Stuten (davon sieben mit Fohlen bei Fuß). Es handelt sich hierbei um das 12. Beweidungsprojekt der Agrar GmbH Crawnkel/Thür in Deutschland.

Laut Andrea Gößl von der LaNU erledigen die Koniks ihre „Arbeit“ höchst zufrieden stellend. Die robusten, anspruchslosen Tiere hätten selten gewordenen Vogelarten wie dem Wachtelkönig und der Rohrdommel, dem Neuntöter, Silberreiher und der nordischen Wildgans die Rückkehr bzw. Zwischenstation im Naturschutzgebiet ermöglicht. Überdies sei der Anblick der grasenden Pferdeherde wunderschön anzusehen.

Wer den Naturschutzfonds mit seinen seltenen Tieren und den fleißigen wilden Ponies besuchen möchte, hat dazu auf einem eigens angelegten Fußweg mit Beobachtungshütte die Möglichkeit.

Koniks mit Fohlen, Juli 2017 / Foto: Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt / Sophie Löbel

Koniks im Winter / Foto: Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt / Bockwitz

Kontakt und Nachfragen zu den Koniks in Sachsen:
Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt
Naturschutzfonds
Christine Schönherr
Tel.: 0351 / 81416 779, -774
poststelle@lanu.de
naturschutzfonds@lanu.de
www.lanu.de

 

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