Zeckenschutz für Hunde - Tipps und Tricks aus der Naturheilpraxis

Borreliose, Hund, Zeckenabwehr, Zecken

Gesundheit | Anke Jobi | 28.03.2017

Zeckenabwehr ist ein leidiges, stets gegenwärtiges Thema bei allen Hundehaltern. Dies besonders natürlich im Frühling, wenn die Zecken nach dem Winter wieder aktiv werden. Ab einer Temperatur von 7 Grad + etwa kann man mit den Plagegeistern rechnen, besonders feuchtes Wetter mögen die Zecken und kommen dann aus ihren Verstecken hervor.

 

Der gemeine Holzbock

Die bekannteste Zecke ist der gemeine Holzbock, welcher sowohl auf Wild- und Haustiere als auch auf Menschen geht. Er überträgt sowohl Borreliose als auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME genannt. Risikogebiete für die FSME-Übertragung sind vor allem in Süddeutschland zu finden.

Für viele Hundehalter ist die Zeckenabwehr ein immer wiederkehrendes Thema das die wenigsten zu ihrer Zufriedenheit lösen können.  Sei es, weil der Schutz nicht wirklich funktioniert oder weil sie sich bei herkömmlichen Mitteln wie z.B. Spot on Präparaten darüber bewusst sind, dass sie die Gesundheit ihrer Hunde damit möglicherweise schädigen.

Um zu wissen, wie eine effektive Zeckenabwehr funktionieren kann, muss man sich vor allem vor Augen halten, wie die Zecke sich ihren Wirt (also die Tiere und Menschen, die sie befällt) aussucht.

 

Das Hallersche Organ

Die Zecke verfügt über ein sogenanntes Hallersches Organ, das eine Art Riechorgan darstellt. Es befindet sich an den Vorderbeinen der Zecke und dient der Erkennung von chemischen Verbindungen, die der Zecke Hinweise liefern, dass sich ein Wirt eingefunden hat.

Die Zecke reagiert vor allem auf Ammoniak, Kohlendioxid, Milchsäure und Buttersäure. Diese sind alles Stoffe, die vom Organismus produziert werden. Wie hoch die Bildung oder auch Absorption dieser Stoffe ist, hängt von einigen Faktoren ab.

 

Die herkömmlichen Zeckenschutzmittel …

… funktionieren eigentlich nicht wirklich als Abwehr, sondern eliminieren die Zecken schlicht, wenn diese zubeißen, dies allerdings zuverlässig. Wenn man sich jedoch die Mühe macht, den Hund noch unterwegs einmal abzusuchen, stellt man meist fest, dass auf chemisch „geschützten“ Hunden eine ganze Menge Zecken unterwegs sind, denn die Zecken brauchen ja eine Weile, bis sie sich eine Bissstelle ausgesucht haben. Und erst dann findet die „Schutzmaßnahme“ durch Abtöten der Zecke statt.

Dies bedeutet weiter, dass der Hund auch vermehrt zum „Zeckenverteiler“ wird. Denn natürlich bringt er die vielen Zecken, auf die er ja anziehend wirkt, auch mit nach Hause. Und da diese nicht alle zubeißen, fallen sie dann gerne einmal auf die heimische Couch oder auch nur auf den Teppich.

Aus naturheilkundlicher Sicht stellt sich die Frage, wie ich den Wirt, also den Hund, ganzheitlich betrachtet für die Zecke so unattraktiv wie möglich machen kann. Ich muss versuchen, alles, was die Zecke anlockt, zu minimieren und was sie abstößt, zu maximieren.

 

Giftstoffe und Säure-Basen-Haushalt

Ammoniak, Kohlendioxid, Milchsäure und Buttersäure sind allesamt Stoffe, die erhöht entstehen, wenn die Lebensweise nicht optimal ist, bzw. der Stoffwechsel des Hundes nicht vernünftig funktioniert.

  • Ammoniak findet sich vermehrt, wenn die Entgiftungsfunktion der Leber gestört ist. Gestörte Stoffwechselfunktionen wiederum entstehen durch ungesunde Lebensweise (viel Chemie, Toxine durch Parasitenabwehr, Impfungen, Wurmkuren, schlechte Ernährung …).
  • Kohlendioxid wird vermehrt gebildet, wenn der Organismus übersäuert ist, was durch falsche Ernährung und Schadstoffe, Gifte etc. passiert.
  • Auch Milchsäure ist ein Abfallprodukt der Übersäuerung.
  • Buttersäure ist ein Bestandteil des Körperschweisses. Ob viel oder wenig Buttersäure produziert wird, ist von einem wesentlichen Faktor abhängig, nämlich davon, ob der Säure-Basen-Haushalt ausgeglichen ist.

 

Körpereigene Immunabwehr

Diese Fakten vor Augen wird deutlich klar, wie der Schuss mit der Chemiekeule nach hinten losgehen kann. Denn eigentlich sorgt man durch die chemischen Behandlungen ja dafür, dass der Hund für die Zecke noch viel attraktiver wird. Und das mit steigendem Erfolg, da der Körper ja immer mehr von den „beliebten“ Stoffen bildet.

 

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Die chemischen Behandlungen schwächen die körpereigene Immunabwehr stark, was bedeutet, dass der Hund im Falle einer Infektion viel schlechter mit den Krankheitserregern klar kommt (auch eine Chemiekeule bietet keinen 100%igen Schutz!!).

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Optimaler Zeckenschutz

Nun wird langsam klar, dass die Grundlage für einen optimalen Zeckenschutz vor allem eine gesunde Lebensweise ist:

  • Giftstoffe sollten weitestgehend aus dem Hundekörper herausgehalten werden. Jede Medikation, Impfung, Wurmkur, etc. sollte auf ihre Notwendigkeit genau überprüft werden.
  • Die Ernährung sollte naturbelassen und ausgeglichen sein, der Nährstoffbedarf des Hundes sollte optimal gedeckt sein, um seine Körperfunktion optimal zu unterstützen.
  • Auch auf einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt sollte geachtet werden. Unterstützen lässt sich dies z.B. auch durch die zusätzliche Gabe von Bierhefe*, welche vor allem durch den Vitamin-B-Komplex eine positive Auswirkung auf das Hautmilieu und den Säure-Basen-Haushalt hat.
  • Und ganzheitlich betrachtet macht es natürlich Sinn, diese Aspekte ganzjährig zu beachten und nicht nur zur Zeckenzeit.

 

Weitere Maßnahmen

1. Äußerlich:

Eine Möglichkeit, diese Vorgehensweise zu unterstützen, ist die aktive Zeckenabwehr durch Kokosöl. Kokosöl enthält Laurinsäure, welche die Zecken nicht mögen. Kokosöl, kombiniert mit einem gesundenden Organismus, bildet eine sehr gute Schutzfunktion gegen die unbeliebten Besucher. Einfach vor jedem Spaziergang etwas Kokosöl in den Handflächen verteilen und damit über das Fell streichen. Hierbei vor allem die unteren Regionen (Bauch, Achseln) und den Kopf berücksichtigen. Zu beachten wäre, dass man ein gutes Kokosöl benutzt, also ein natives, nicht raffiniertes Bio-Kokosöl*.

Mittlerweile gibt es auch Fertigpräparate die gegen Zecken helfen können, jedoch keine Giftstoffe enthalten. Eine gute Alternative für alle, die das fettige Kokosöl in der Anwendung nicht so praktisch finden, ist das Floh & Zeckenstopp Spray von PHA*.

Auch einige ätherische Öle haben eine zeckenwidrige Wirkung. So kann man z.B. ätherisches Öl von Lavendel, Zitronella, Nelken oder auch Eukalyptus einsetzen. Man kann sich leicht eine Sprühmischung aus mehreren ätherischen Ölen verdünnt mit Wasser herstellen und den Hund vor jedem Spaziergang einsprühen.

Auch wichtig: das unmittelbare (!!) Absuchen des Hundes nach möglichen aufgenommenen Zecken, gleich bei der Heimkehr! Zum einen brauchen Zecken häufig eine Weile, bis sie ein geeignetes Plätzchen finden, man kann sie also vielleicht noch vor ihrer Blutmahlzeit erwischen. Zum anderen dauert es i. d. R. mindestens 24 Stunden, bis die Zecke Krankheitserreger überträgt. Diese kommen nämlich aus ihrem Darm und dessen Inhalt schüttet sie erst später, eben erst nach ca. 24 Stunden in die Bisswunde aus.

 

2. Innerlich:

Viele Hundehalter nutzen Schwarzkümmelöl zur Zeckenabwehr, welches dem Hund dann in kleiner Menge ins Futter gegeben wird. Schwarzkümmelöl als Zeckenmittel ist allerdings unter  Naturheilkundlern nicht unumstrittten, vor allem da bei längerer Gabe oder höherer Dosierung eine toxische Wirkung auf die Leber erfolgen kann.
Wiederum ist die häufige Warnung vor Knoblauch als Zeckenabwehr aus naturheilkundlicher Sicht eher falsch. Auch hier kommt es auf die Dosierung an, diese müsste jedoch extrem hoch sein, um eine toxische Wirkung auszulösen. Dosierung: ½ frisch gepresste Knoblauchzehe für kleine Hunde, 1 frisch gepresste Knoblauchzehe für große Hunde 3-mal wöchentlich unter das Futter mischen. Eine Knoblauchzehe wiegt ca. 2-3g. Toxisch wäre mehr als die 100-fache Menge.

Eine wichtige und sehr wirkungsvolle prophylaktische Maßnahme zur Zeckenabwehr ist eine Entgiftungskur. Diese sollte man allerdings nicht während sondern vor der Zeckenzeit durchführen, sonst kann sie natürlich zum Bumerang werden. Durch die Entgiftung wird die Ausscheidung der Schadstoffe im Hundeorganismus angeregt, was zur Folge hat, dass der Hund nicht mehr so attraktiv für die Zecke riecht. Wie eine Entgiftung funktioniert, habe ich HIER beschrieben.

Auch kurmässig durchgeführte Kräuterkuren zur Unterstützung der Leberfunktionen können den Hundeorganismus sauber halten und ihn so unattraktiv für Zecken machen.

 

Noch ein paar Fakten …

Zum Schluss noch ein paar Fakten zur gefürchteten Erkrankung Borreliose, die durch die in Deutschland häufigste Zeckenart, den „Gemeinen Holzbock“, übertragen wird:

Die meisten Hunde sind Borreliose gegenüber nicht empfänglich, dabei handelt es sich vermutlich um eine genetische Resistenz, wie auch Wildtiere sie haben. Weniger als 5% der Hunde, die Borreliose-Antikörper tragen, also von einer Zecke gebissen wurden, erkranken tatsächlich. Nur etwa 25% der Zecken in Deutschland tragen diese Borrelien (Bakterien) überhaupt in sich, jedoch nicht alle Erreger können überhaupt eine Erkrankung auslösen. Selbst wenn es zu einer Infektion kommt, besteht noch die Möglichkeit, dass das Immunsystem mit dem Erreger fertig wird. Was wiederum wieder verdeutlicht, weshalb es so wichtig ist, dieses nicht durch schädigende Maßnahmen zur Zeckenabwehr zu schwächen.

 

 

Über die Autorin

Anke Jobi wurde 1967 geboren und wohnt mit Mann, zwei Söhnen und den beiden Hunden Leo und Lucy in der Nähe von Köln. Hunde begleiten sie schon immer. Als einer ihrer Hunde erkrankte, fing sie an, sich intensiv mit der Naturheilkunde zu befassen.

Sie absolvierte den größten Teil einer Ausbildung zur Tierheilpraktikerin, sowie eine Vielzahl weiterer Fortbildungen. Die Tierheilpraktiker-Ausbildung brach sie dann zugunsten der Ausbildung zu Ernährungsberaterin für Hunde ab, da sie sich auf ein Gebiet spezialisieren wollte.

Inzwischen arbeitet sie als Ernährungsberaterin für Hunde und gibt ihr Wissen rund um Hundeernährung und Naturheilkunde auf dem gut besuchten Blog www.clean-feeding.de weiter.

 

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